ERF Plus - Anstoß

ERF Plus - Anstoß

By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
Download on the App Store

ERF Plus - Anstoß episodes

  • Treu über Jahrtausende

    Worauf legen Menschen in Beziehungen vor allem wert? Auf Treue und Verlässlichkeit. Ich will mich auf das Ja-Wort verlassen können, das da einmal im Standesamt und womöglich einer Kirche gegeben wurde. Doch Menschen ändern sich im Laufe der Jahre, und so mancher Charakter wird mit dem Alter zunehmend schwierig. Ist das die Person, der ich damals die Treue geschworen habe? So gehen manche Beziehungen in die Brüche, obwohl beide Partner mit den besten Absichten und einem Herzen voller Liebe an den Start gegangen sind. 

    Eine völlig andere Geschichte ist es, wenn Gott mit ins Spiel kommt. Im fünften Buch Mose heißt es: "Erkennt doch: Der HERR, euer Gott, ist der wahre und treue Gott! Über Tausende von Generationen steht er zu seinem Bund und erweist allen seine Güte, die ihn lieben und sich an seine Gebote halten." (5. Mose 7,9)

    „Über tausende Generationen“, das steht für unendlich! Gottes Treue zu den Menschen, die ihn lieben und seine Gebote halten, ist unverbrüchlich. Besonders wichtig ist hier das Wort Güte. Denn Gott ist gütig und barmherzig und weiß, dass Menschen nicht immer seine Gebote vollumfänglich halten können. Aber wenn Menschen Gott von Herzen lieben, dann ist Gott eben auch bereit immer wieder neu zu vergeben. Gott steht zu seinem Ja-Wort, dass er vor tausenden von Jahren allen Menschen gegeben hat. Ihn interessiert nicht, ob sich mein Charakter ändert, ob ich wunderlich werde und vielleicht nicht mehr so liebenswert bin wie früher. Gottes Liebe zu mir bleibt gleich. Das ist ein tröstlicher Gedanke.

    Autor: Horst Kretschi

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Ich wähle Nächstenliebe

    Es sind bewegende Zeiten, in denen wir uns gerade befinden. Weltbewegende. Gefühlt hat das, was gestern noch gültig war, heute an Bedeutung verloren. Auch in unserem Land stehen Wahlen an, die Veränderungen bringen werden. Eine wesentliche Frage an die Parteien und ihre Verantwortungsträger ist dabei für mich: Was ist eure Motivation? Warum wollt ihr Regierungsverantwortung übernehmen? Weil Ihr es gut mit dem Land meint? Mit uns Menschen, die wir darin leben? Geht es bei euch um Nächstenliebe, Menschenwürde und Zusammenhalt, wie es die großen Kirchen gerade in einer gemeinsamen Aktion zur Wahl auf den Punkt bringen? Oder geht es schlicht um Macht?

    Es gibt nichts Neues unter der Sonne – im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 4, hat sich eine ähnliche Fragestellung niedergeschlagen. Was war der Sachverhalt damals, vor knapp 2.000 Jahren, in Jerusalem? Das Geschehen um den auferstandenen Jesus Christus und das mutige Erzählen davon durch Petrus und Johannes war den Machthabern der damaligen Zeit, dem jüdischen Hohen Rat, zu viel geworden. Es heißt ausdrücklich, dass nichts Unrechtes geschehen war. Warum wollten die Mächtigen den Jesus-Zeugen trotzdem den Mund verbieten? Ich bin mir sicher: Es war die Angst vor Machtverlust. Petrus und Johannes stellen die klare Frage: "Entscheidet selbst: Ist es vor Gott recht, euch mehr zu gehorchen als ihm?" Eine offensichtlich rhetorische Frage. Und weil auch ich mit diesem Gott lebe, wähle ich: Nächstenliebe, Menschenwürde und Zusammenhalt. Machen Sie mit?

    Autor: Hans Wagner

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Freudentaumel

    Verlieren und Verlieren ist nicht dasselbe. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Schlüssel verliere oder eine Freundin, die mir die Freundschaft aufgekündigt hat. Gott, der Vater Jesu Christi, ist nicht schusselig. Er verliert keinen Menschen, wie ich einen Schlüssel verlieren kann. Gott verliert Menschen dann, wenn sie die Beziehung zu ihm aufkündigen. Wenn sie einfach weggehen oder sich nicht um ihn scheren.

    Jesus nimmt das nicht hin. Er geht Menschen im Auftrag seines Vaters nach. Jesus sucht sie auf und beendet ihren Beziehungsstress mit Gott. Jesus stellt einen Freudentanz im Himmel für die in Aussicht, die mitkommen. Jesus verspricht im Lukasevangelium (15,7 - GNB): „Ich sage euch: Genauso ist bei Gott im Himmel mehr Freude über einen Sünder, der ein neues Leben anfängt, als über neunundneunzig andere, die das nicht nötig haben.“

    Freudentaumel, wenn einer sich von Jesus begleiten oder tragen lässt und bereit ist, seinem Vater im Himmel in die Augen zu schauen. Der neue Anfang einer Beziehung, die von Gottes Seite aus ewig hält. Einer Beziehung, die davon lebt, ehrlich zueinander zu sein. Z. B. teile ich Jesus meine Trennungsgründe mit und ringe mich zu den Worten durch: „Bitte, vergib mir.“ Diese drei Worte lösen unbändige Freude im Himmel aus.

    Autor: Pastorin Elke Drossmann

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Wohin mit den vielen Sorgen?

    Die Nacht erscheint mir endlos. Immer wieder wandert der Blick zum Wecker. Die Zeiger wollen sich nicht bewegen. Dafür kreisen meine Gedanken. Ich komme nicht zur Ruhe. Und tagsüber? Da ist es auch nicht besser.  

    Mein Problem hat schon in der Bibel den einen oder anderen geplagt. Im Buch Hiob lese ich beispielsweise: 

    Wenn ich mich schlafen lege, denke ich: Wann endlich ist die Nacht vorbei? Wann kann ich wieder aufstehen? Doch dann wälze ich mich bis zum Morgen hin und her, weil die Nacht sich endlos hinzieht. Hiob 7, Vers 4 (NLB) 

    Ausgesprochen hat das ein Mann, der an den Folgen schlimmster Schicksalsschläge gelitten hat. Zwar ist nicht bekannt, wann Hiob gelebt hat, dafür haben sich seine tragischen Erfahrungen in unserer Umgangssprache verewigt. Ich denke an die sprichwörtliche „Hiobsbotschaft“, die jeder fürchtet. 

    Mit Hiob begegnet mir jemand, der zwar Schweres erlebt hat, aber er ist daran nicht verzweifelt. Anstatt den Schmerz in sich hineinzufressen oder sich vom Glauben abzuwenden, hat er sich mit seinem Leid auseinandergesetzt und über seine Not gesprochen. Hiob hat mit Gott gerungen. Und er hat ihm vertraut, obwohl er sich keinen Reim auf das machen konnte, was ihm widerfahren war. Darin ist er mir zum Vorbild geworden.  

    Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Nicht nur meins

    Kaum konnten meine Kinder sprechen, war eines der ersten Wörter ein entschiedenes: „Meins!“ Ob Spielzeug oder Keks – alles musst verteidigt werden. Das ist normal, denn Kinder lernen, was ihnen gehört. Doch irgendwann wird klar: Im Leben geht es nicht nur um meinen Besitz und meinen Vorteil, sondern auch um das Wohl der anderen.

    Im Vaterunser, dem Gebet, das Jesus seinen Jüngern beigebracht hat, heißt es:

    „Unser tägliches Brot gib uns heute“ (Mt. 6,11). 

    Nicht mein Brot – unser Brot. Warum dieses „Unser“? Und warum um Brot bitten, wenn ich doch jederzeit welches kaufen kann?

    Diese Bitte zeigt mir, dass Brot nicht für alle selbstverständlich ist und dass es nicht nur um mich geht. Es ist kein egoistisches „Ich wünsche mir“- Gebet, sondern ein Gebet für alle. Gott will, dass niemand hungert. 
    Wenn ich so bete, weitet sich mein Blick: Für Menschen, die zu wenig haben – nicht nur weit weg, sondern auch direkt hier, in meiner Stadt, vielleicht sogar in meiner Straße.

    Jesus hat die Hungrigen satt gemacht – aber nicht im Alleingang. Das Brot ging durch die Hände seiner Jünger. Heute möchte er auch meine Hände dafür. 

    Natürlich, es geht um große Themen wie Gerechtigkeit und Entwicklungspolitik, aber es fängt im Kleinen an: mit einer helfenden Hand, einem offenen Blick, einem geteilten Brot.
    Warum sollte ich knausern, wenn Gott so großzügig ist? 
    Und wer weiß, vielleicht schmeckt mir mein Brot dann sogar noch viel besser.

    Autor: Ellen Hörder-Knop

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Was beeinflusst mich?

    Es gibt ein Bild in der Bibel, das mir bisher immer ein wenig fremdartig vorgekommen ist:

    Gott, der mich als Menschen formt wie der Töpfer einen Lehmklumpen.

    Will ich das? Soll jemand anderes darüber bestimmen, wer und wie ich bin?

    Mit der Zeit habe ich gelernt: Ja, ich kann mich äußeren Einflüssen nicht entziehen. Ich werde als Persönlichkeit immer geformt – egal, ob zum Guten oder Schlechten.

    Der Autor des ersten Psalms in der Bibel drückt es dichterisch so aus:

    „Glücklich ist der Mensch,

    der nicht dem Vorbild der Frevler folgt

    und nicht den Weg der Sünder betritt.

    Mit Leuten, die über andere lästern,

    setzt er sich nicht an einen Tisch.

    Vielmehr freut er sich über die Weisung des HERRN.

    Tag und Nacht denkt er darüber nach

    und sagt Gottes Wort laut vor sich hin.“ (Psalm 1,1-2 – BasisBibel)

     

    Das Gute ist: Ich kann mich entscheiden, wovon bzw. von wem ich mich prägen lasse. Ich kann in einem gewissen Umfang mitentscheiden, welchen Einflüssen ich mich aussetze.

    Und auf einmal ist der Gedanke gar nicht mehr so unangenehm, dass ein liebevoller, fürsorgender und weitblickender Gott mein Leben formen soll.

    Autor: Oliver Jeske

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    2 min
  • Nicht irgendein Weinstock

    5.000 bis 10.000 - so viele Weinstöcke hat ein Weinberg heute im Durchschnitt. Sollte ich unter dieser Masse an Weinstöcken einen bestimmten suchen, kann das dauern.

    Jetzt wird mir klar, warum Jesus im Johannes-Evangelium Kapitel 15 Vers 1 zu seinen Jüngern sagt: „Ich bin der wahre Weinstock.“ Damals wie heute gibt es viele Bewegungen oder auch Lehren, denen ich anhängen kann.  Dabei ist die Motivation doch immer dieselbe: Teil von etwas sein, gesehen werden, einen Unterschied machen, in das Richtige investieren.

    Die heutige Auswahl an Interessengruppen ist so unüberschaubar wie 10.000 Weinstöcke in einem Weinberg. Das geht von den Bereichen Wirtschaft und Soziales über Kultur und Wissenschaft - bis hin gesellschaftspolitischen Vereinigungen. Wessen Teil möchte ich sein?

    Und nun behauptet Jesus von sich seinen Jüngern damals und mir heute gegenüber: „Ich bin der wahre Weinstock“. Heißt: Ich soll ihm nachfolgen, zu ihm gehören. Warum ausgerechnet ihm? Ein paar Sätze weiter kommt die Begründung: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Das klingt erstrebenswert. Das, was ich tue, soll etwas bringen. Da, wo ich meine Kraft und Zeit investiere, soll Frucht entstehen. Wenn das passiert, lohnt es sich. Jesus verspricht mir hier genau das.

    Und zu guter Letzt folge ich nicht einer Ideologie, einer Gruppierung oder einer Sache. Ich folge einer Person: Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der von sich sagt, dass er wahr ist.

    Autor: Tobias Schier

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Ein guter Vater lässt seine Söhne zu Jesus

    Er hatte sich ein wunderschönes kleines Leben aufgebaut: Sein gutgehendes Fischereigeschäft mit mehreren Angestellten versorgte die Familie - seine Frau Salome und die Kinder Jakobus und Johannes. Zu zwei stattlichen Männern hatte er sie erzogen – sie waren eine Stütze in der Firma und liebten Gott von Herzen (so wie er und Salome auch). Na gut, zuweilen waren die beiden etwas ungestüm, aber jetzt nicht so, dass man Angst vor ihnen haben müsste. Er war so stolz auf sie.

    „sbd“ und „jah“, das konnte man wohl so sagen! „Beschenkt hat JHWH“. Das war sein Name. In Griechisch nannten ihn alle Zebedäus. Und es sollte noch besser kommen: Anscheinend hatte er wirklich das Vorrecht, den Messias kennen zu lernen! Ein Nazarener hatte angefangen zu predigen: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“. Jesus war eindeutig mehr als nur der nächste Wanderprediger.

    Eines Tages am See Genezareth, wo Zebedäus seine Fischgründe bejagte, flickte er gemeinsam mit Jakobus und Johannes die Netze. Da kam Jesus vorbei. Mitten in die Idylle. Die Bibel berichtet: „Und er rief sie. Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.“ (Matthäus 4,22)

    Und nun? Was würde aus der Firma? Aus Salome, wenn er mal nicht mehr konnte? Aus dem schönen kleinen Leben? Aus der Familie, auf die er so stolz war? Hatte sich Zebedäus das so vorgestellt mit dem Messias, dass sich durch ihn plötzlich seine ganze Welt veränderte?

    Von Protest oder Diskussionen lese ich jedenfalls nichts. Oder von Klagen, Zweifeln, Beschweren, Lamentieren. Ich traue Sebadja zu, dass er auch hier der gottesfürchtige Mann und gute Vater für seine Söhne war und bei allem irdischen Verlust den himmlischen Gewinn schon erkennen konnte. Beschenkt von Jahwe. Was für ein toller Mann!

    Autor: Miri Langenbach

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Neubau statt Facelift

    Seit 2.500 Jahren diskutieren abendländische Denker darüber, wie Leib und Seele zusammenhängen. Ob es überhaupt einen Zusammenhang gibt, und wenn ja welchen. Oder hat das eine mit dem anderen nicht wirklich etwas zu tun, allenfalls scheinbar? Denkschulen in anderen Erdteilen, etwa in Asien, verstehen die Frage nicht – sie haben einen ganz anderen Ansatz. Und wie sieht es in der Bibel aus? Da wird der Mensch überhaupt erst zur lebendigen Seele, indem Gott ihm seinen Lebensatem einhaucht. Der Mensch hat so betrachtet keine Seele – er ist Seele. Und die ist zu Lebzeiten irgendwie mit dem Körper verbunden, ohne geht es nicht.

    Nun das Problem: Wir Menschen sind ja allesamt vergängliche Wesen. Der Leib, dieser biologische Organismus, ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Vom ersten Atemzug und vom ersten Schrei eines Babies an tickt die Uhr. Und auch bei guter Pflege hält so ein Körper nicht ewig. Irgendwann ist Feierabend. Aber was wird dann aus der Seele?

    Dem christlichen Glauben zufolge ist der leibliche Tod nicht automatisch das Ende des Daseins. Der Apostel Paulus hat es vor knapp 2.000 Jahren im zweiten Korintherbrief auf die Formel gebracht: „Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.“

    Das sind ja Aussichten! Neubau statt Facelift. Wenn das Zelttuch mürbe wird, kann man schon mal davon träumen, wie das wäre, wenn man jetzt schon einfach in das neue, zukünftige Dasein schlüpfen könnte. Geht leider nicht, aber Träumen ist erlaubt. Menschen, die mit Gott rechnen, haben Zukunft.   

    Autor: Markus Baum

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min
  • Wenn aus Wut Musik wird

    In den biblischen Psalmen finden sich einige lyrische Texte, die tief in das Herzen von Menschen blicken lassen. Selbst in ihre dunkelsten Winkel.

    Psalm 137 ist so ein Text. Geschrieben wurde er als Reaktion auf die Zerstörung der Stadt Jerusalem vor 2.600 Jahren durch die damalige Weltmacht Babylon. Nach dem brutalen Angriff wurden große Teile der Überlebenden vertrieben oder ins Zweistromland verschleppt.

    Der Psalm startet mit einem eindrücklichen Bild: „An den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. An die Weiden dort hängten wir unsere Zithern.“ (NGÜ, Psalm 137,1-2)

    Die Zithern stehen hier stellvertretend für alle Musik des Volkes Israel. Jetzt sind alle Instrumente verstummt, so groß ist die Trauer, das Trauma des Krieges.

    In den weiteren Versen des Psalms kommt noch jede Menge Wut zum Ausdruck. Da wird den Babyloniern jedes nur erdenkliche Leid an den Hals gewünscht. Bis zur letzten Zeile klingt nichts Versöhnliches aus dem Psalm.

    Doch wer bei den negativen Worten stehen bleibt, übersieht einen äußerst spannenden Wiederspruch: Denn es ja ein Psalm, also ein Lied darüber, dass man kein Lied mehr singt. Ist die Musik also wohl doch nicht verstummt…?

    Genau das ist für mich der Clou dieses Psalms: Auch wenn auf den ersten Blick alles verloren erscheint, ist es das gar nicht.

    An einer anderen Stelle der Bibel wird Gottes Antwort auf die Trauer seines Volkes beschrieben. Und vielleicht liegt darin der Grund, warum die Psalmisten weitersingen: Gott lädt das Volk ein, in dieser schmerzhaften Lage einen Neuanfang zu wagen. Er fordert sie auf, Gärten zu pflanzen, Familien zu gründen und das Wohl der  Stadt zu suchen, in der sie jetzt leben – auch wenn es nicht ihr geliebtes Jerusalem ist, sondern die fremde Stadt Babylon. Gott lädt sie ein, auch dort – in der verhassten Fremde – sein Volk zu sein. Ein Volk, dass nicht verstummt, sondern weitersingt. Trotz allem.

    Autor: Tanja Rinsland

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    3 min

About ERF Plus - Anstoß

From the publisher's feed

Täglich ein alltagstauglicher Impuls zum Bibelleseplan Presente Diário, der in 7 Jahren durch die ganze Bibel führt. Lassen Sie sich ermutigen.

More shows like ERF Plus - Anstoß

WDR Zeitzeichen by WDR

WDR Zeitzeichen

72 Listeners

Die Morgenandacht bei NDR Kultur by Kirche im NDR

Die Morgenandacht bei NDR Kultur

3 Listeners

ERF Plus - Wort zum Tag by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Wort zum Tag

0 Listeners

ERF Plus - Aktuell by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Aktuell

0 Listeners

Jesus, der liebevolle Therapeut by ERF - Der Sinnsender / Andi Weiss

Jesus, der liebevolle Therapeut

1 Listeners

Krimi by Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Krimi

15 Listeners

Unter Pfarrerstöchtern by DIE ZEIT

Unter Pfarrerstöchtern

51 Listeners

ERF Plus - Bibel heute by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Bibel heute

1 Listeners

Lanz + Precht by ZDF, Markus Lanz & Richard David Precht

Lanz + Precht

309 Listeners

Der Rest ist Geschichte by Deutschlandfunk

Der Rest ist Geschichte

17 Listeners

RONZHEIMER. by Paul Ronzheimer

RONZHEIMER.

143 Listeners

Wegfinder by Jörg Dechert und Uwe Heimowski / ERF

Wegfinder

1 Listeners

Leben ist mehr by Leben ist mehr

Leben ist mehr

1 Listeners

Das Wort für den Tag – der tägliche AndachtsCast by Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg

Das Wort für den Tag – der tägliche AndachtsCast

0 Listeners

Gedanken zur Tageslosung by Christus Zentrum Arche Elmshorn

Gedanken zur Tageslosung

0 Listeners