F.A.Z. Bücher-Podcast

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F.A.Z. Bücher-Podcast episodes

  • Das soll dein Sinn des Lebens sein? Laetitia Lenel über ihren Roman „Eine liebe Frau“
    Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel

    Was hätte aus ihr werden können: Konzertsäle in Paris, Prag und Moskau hätte sie als Pianistin füllen können. Würde sie bald füllen, prophezeit ihr Mann Paul der jungen Marianne Löw, er verspricht ihr ein Musikzimmer, „nur für dich“ und ihren Flügel, im gemeinsamen Haus mit Garten, eine strahlende Zukunft, in der sie bald die Berühmtere von beiden sein würde. Dann kommt der Krieg, und er ändert alles.

    Das ist die Ausgangslage in Laetita Lenels Debütroman „Eine liebe Frau“, fast die gesamte Ausgangslage, auch eine große Freundschaft zu einer anderen Künstlerin gehört dazu und was aus ihr geworden ist. Um die fünfzig Jahre – und zwei Weltkriege später – lässt Laetitia Lenel ihre Marianne an einem verregneten Tag durch London laufen, und hier, in der Fremde, wird sie von Erinnerungen eingeholt, von Erinnerungen an Szenen aus ihrem Leben, an Hoffnungen und Pläne und an Versprechen, die sie nicht nur sich selbst einmal gegeben hat.

    Wenige Tagen, bevor „Eine liebe Frau“ im Buchhandel ankommt, ist Laetitia Lenel im Bücher-Podcast der F.A.Z. zu Gast, um über ihren Debütroman zu sprechen. Im Anschluss gibt es ein neues Literatur-Rätsel von Tilman Spreckelsen, dazu die Lösung des Rätsels aus dem Mai 2024 und den Namen des Gewinners oder der Gewinnerin.

    Die Vorschau Herbst 2024 des Gutkind Verlags mit der Ankündigung von Laetitia Lenels Debütroman „Eine liebe Frau“

    faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel

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    1 hr 1 min
  • Gut, dass wir nicht drüber geredet haben: Frauke Rostalski über die Konjunktur von Empfindlichkeiten
    Kai Spanke im Gespräch mit der Autorin

    „Je verletzlicher sich eine Gesellschaft bzw. ihre Mitglieder begreifen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich vor Risiken durch das Recht schützen wollen. Gesetze, Maßnahmen oder sonstige Rechtsakte bedeuten aber grundsätzlich eine Beschneidung individueller Freiheit. Es liegt daher eine besondere Herausforderung darin, beides miteinander in Einklang zu bringen.“

    Das schreibt die Juraprofessorin Frauke Rostalski in ihren Buch „Die vulnerable Gesellschaft“. Der Begriff der Vulnerabilität wurde während der Corona-Pandemie herumgereicht und bezog sich auf Menschen, deren Gesundheit durch eine Infektion mit dem Virus besonders gefährdet war, etwa Lungenkranke oder Alte. Inzwischen ist ein Modewort daraus geworden, dessen markantestes Merkmal seine Entgrenzung ist. Vulnerabel können Flüchtlinge und Prostituierte sein, Transpersonen und Studenten, Länder der Dritten Welt und Gesellschaften, denen die Digitalisierung zu schaffen macht.

    Wie verändert sich das Leben, sobald Empfindlichkeiten zunehmen? Wo liegen Vor-, wo Nachteile? Warum ist es heikel, wenn Menschen bloße Gespräche als verletzend oder traumatisierend wahrnehmen? Und was bedeutet es für die Demokratie, dass der Austausch von Meinungen immer häufiger als Zumutung angesehen wird? Darüber spricht Frauke Rostalski in dieser Folge des Bücher-Podcasts.

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    30 min
  • Wofür steht Nofretete? Sebastian Conrad und sein Buch „Die Königin“
    Ein Gespräch mit Stefan Trinks beim Festival LiteraTurm in Frankfurt

    Auch wenn Nofretete bereits vor mehr als dreitausend Jahren mit ihrem Mann, dem Pharao Echnaton, in Ägypten herrschte: Ihre weltberühmte Büste ist erst seit hundert Jahren überhaupt zu sehen. In der Zeit ihrer Entstehung hatte sie die Werkstatt ihres Schöpfers nie verlassen, dann lag sie Jahrtausende im Sand. Sie wurde nach ihrer Entdeckung zehn, zwölf Jahre lang geheimgehalten und schließlich im Jahr 1924 erstmals öffentlich ausgestellt.

    So interessant die Zeit der Herrschaft von Echnaton und Nofretete mit ihren politischen und religiösen Neuerungen auch war: Das, was mit der Büste seit ihrer Entdeckung geschah und noch geschieht, ist es nicht minder. Diesen Teil der Geschichte, die Rezeptionsgeschichte, leuchtet der Historiker Sebastian Conrad in seinem Buch „Die Königin – Nofretetes globale Karriere“ aus: von den ägyptischen und deutschen Ansprüchen auf den Fund bis zu seinem Widerhall in Popkultur und Politik.

    Am 17. Mai 2024 hat Sebastian Conrad auf dem Festival LiteraTurm in Frankfurt am Main im Gespräch mit Stefan Trinks „Die Königin“ vorgestellt. Das Buch ist für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert, der am 11. Juni in Hamburg verliehen wird.

    „Die Königin – Nofretetes globale Karriere“ von Sebastian Conrad auf der Website des Propyläen Verlags

    „Die vielen Rollen der Königin Nofretete“: Ulf von Rauchhaupt über Sebastian Conrads „Die Königin“

    Die Website des Festivals LiteraTurm mit dem Programm 2024

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    1 hr 17 min
  • Hilary Leichter, helfen „Luftschlösser“ gegen den Weltuntergang?
    Elena Witzeck im Gespräch mit Hilary Leichter

    Hilary Leichter, geboren 1985, freie Schreiberin für die „New York Times“ und das „Harper’s Magazine“ und Dozentin an der Columbia University, hat ein gutes Auge für das Groteske, die sonderbaren Seiten unserer Realität.

    Das Leben wiederum behandelt ihre Protagonistinnen alles andere als gut. Um sie herum sterben Tiere und Pflanzen aus, und ihre eigene Existenz ist längst auch in Gefahr. Sie verdingen sich als Schuhschrank-Ordner, Schaufensterpuppen im Kaufhaus, als Assistentinnen bei Gewaltverbrechen – Hauptsache beschäftigt. Platz für Träume ist in so einem Leben keiner – dafür wohnen sie viel zu beengt. Was hilft, ist die Imagination. Und hier und da das Aufblitzen von Albernheit.

    Ist das der fatalistische Blick einer jungen amerikanischen Schriftstellerin auf unsere Welt? Oder doch eine Satire auf menschliche Befindlichkeiten und Untiefen? Immerhin spricht Hilary Leichter von einem „dauerhaft gebrochenen Herzen“ ihrer Generation angesichts des Zustandes der Welt.

    Im Frühjahr ist ihr zweiter Roman „Luftschlösser“ auf Deutsch erschienen. In unserem Gespräch geht es um das, was wir als „real“ akzeptieren. Und das, was wir ausschließen. Es geht um die Frage, welche Rolle die Vorstellungskraft spielt beim Gedanken an eine dem Untergang geweihte Erde. Es geht ums Schreiben als kleine Rettung und die lebenslange Herausforderung, die Welt um uns richtig zu lesen. Kurz: um das wahrscheinlich Überraschendste, was die amerikanische Literatur gerade zu bieten hat.

    „Luftschlösser“ von Hilary Leichter ist erschienen im Arche Verlag, hat 198 Seiten und kostet 18 Euro.

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    22 min
  • Die Ida von einst und die große Wut: Caroline Wahl über „Windstärke 17“
    Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel

    Viele werden sich an Tilda und Ida erinnern, ihre Mutter, die Wohnung in der Fröhlichstraße 37: Von ihnen hat Caroline Wahl in ihrem Debüt erzählt. „22 Bahnen“ war einer der Bestseller des vergangenen Jahres. In dem Roman erzählte die ältere der beiden Schwestern, vom Leben der beiden mit ihrer alkoholkranken Mutter. Vom Schwimmbad, von Viktor, der dort auf einmal wieder auftaucht, von der schwierigen Entscheidung zwischen Gehenwollen und Bleibenmüssen, von einer Überdosis Xanax, mit der sie die Mutter finden und ins Krankenhaus bringen. Von ihrer Entscheidung, die Promotionsstelle in Berlin anzunehmen, und die Fröhlichstraße irgendwo in einer unbenannten deutschen Kleinstadt zu verlassen, auch wenn ihre Mutter Probleme hat und Probleme macht und ihre kleine Schwester erst zehn Jahre alt ist.

    Jetzt, in „Windstärke 17“ erzählt Ida. Inzwischen ist sie es, die studiert, und sie ist es, die von der Fröhlichstraße Abschied nimmt, etwa zehn Jahre nach der Handlung im ersten Buch. Es ist eine Flucht. Vor kurzem hat sie ihre Mutter aufgefunden, tot im Bett, wieder nach einer Überdosis.

    Wir haben Caroline Wahl zu Gast im Bücher-Podcast und sprechen mit ihr über ihr neues Buch, über eine junge Frau, die sich mit ihrer Wut, ihren Schuldgefühlen, mit einer seltsamen Mischung aus Angst und Unerschrockenheit, aus Lebensmüdigkeit und Lebenslust auf eine Insel rettet, und über Leute, die selbst gerade jeden Halt verloren haben und aneinander Halt suchen.

    Danach gibt es noch ein neues Literatur-Rätsel von Tilman Spreckelsen, dazu die Lösung des Rätsels aus dem April 2024 und den Namen des Gewinners oder der Gewinnerin.

    „Windstärke 17“ von Caroline Wahl auf der Website des DuMont Verlags

    „Garantiert wieder ein Bestseller“: Melanie Mühl über Caroline Wahls neuen Roman „Windstärke 17“

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    47 min
  • Wie man Erdbeben vorhersagen kann: Martin Wikelski arbeitet am Internet der Tiere
    Kai Spanke im Gespräch mit dem Autor

    „Jeder Mensch und jedes Tier haben ihre ganz eigene Geschichte. Sie sind auf dem Planeten ganz unterschiedlich herumgekommen, haben an verschiedenen Orten verschiedene Dinge erlebt, und diese Lebenserfahrungen gehören für immer zu ihnen. Wenn man ihre individuellen Erfahrungen nicht kennt, kann man ihr tägliches Leben auch nicht angemessen beurteilen.“

    Das schreibt der Biologe Martin Wikelski in „The Internet of Animals“. Im Rahmen seines Projekts ICARUS („International Cooperation for Animal Research Using Space“) besendert er Tiere, um sie per Satellit zu beobachten. Und er schaut nicht bloß auf Arten, sondern auf das einzelne Exemplar: die eine Amsel, die eine Ziege, das eine Wildschwein. Zum einen lassen sich dabei Erkenntnise für die Verhaltensforschung gewinnen, zum anderen zeigen manche Tiere durch ihr Gebaren auch an, dass etwa ein Vulkanausbruch oder ein Erdbeben bevorsteht. Wildschweine, die an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt sind, verlangsamen innerhalb weniger Stunden die Bewegungen ihrer Ohren.

    Wikelski hat die Vision einer täglich neu erstellten Momentaufnahme des Planeten. Die Daten kämen von vielen verschiedenen Tieren, die in ausreichender Menge besendert werden müssten. Das Ganze würde sich so anhören: „Weißstörche und Schwarzmilane haben im Südwesten des Tschad erneut einen Schwarm von Wüstenheuschrecken entdeckt. Schneegeier warnen vor einem aufziehenden Sturm, Mount-Everest-Expeditionen wird geraten, im Basislager zu bleiben. Gute Nachrichten von unseren Seevögeln. Daten von Basstölpeln, Fregattvögeln und Rußseeschwalben in Polynesien und im pazifischen Raum deuten darauf hin, dass sie derzeit im Ozean reichlich Futter für die Aufzucht ihrer Jungen finden, uns also kein El-Niño-Jahr bevorsteht.“

    Welche Erkenntnismöglichkeiten die Tierbesenderung derzeit bietet und was für Überraschungen man als Biologe bei der Arbeit erlebt, darüber spricht Martin Wikelski in dieser Folge des Bücher-Podcasts.

    „Am Puls des Planeten“: Kai Spankes Besprechung von Martin Wikelskis „The Internet of Animals“

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    35 min
  • Leben mit Ablaufdatum: Monika Helfer und ihr Roman „Die Jungfrau“
    Ein Abend aus dem Literaturhaus Frankfurt

    Es war ein Brief wie ein Befehl, dabei hatte ihn nicht einmal die Freundin aus Jugendtagen selbst geschrieben: Gloria wünscht sich einen Besuch von Monika, von Moni, wie nur sie die Klassenkameradin damals hatte nennen dürfen. Einen noch, bevor sie stirbt. Und als Monika dann vor ihr in der alten Villa steht, in der die Freundin nur mit ihrer Mutter aufgewachsen war, sind all die Themen wieder da.

    Fast sechzig Jahre lang kennen sich die beiden Frauen in Monika Helfers neuem Roman „Die Jungfrau“, fast vierzig davon hatten sie kaum Kontakt miteinander. Und sofort ist wieder präsent, was sie in der Jugend beschäftigt hat, verbunden und getrennt: Erfolg und Misserfolg, Schönheit und Neid, Armut und Reichtum. Dazu ein Geheimnis, von dem Monika in der ersten Überraschung behauptet, es doch schon immer gewusst zu haben: Gloria vertraut ihr an, noch nie mit einem Mann geschlafen zu haben.

    Sie möge eine Seite über sie schreiben, dann sei noch etwas da, wenn sie stirbt, fordert Gloria ihre Moni auf, die Schriftstellerin ist. Zumindest eine Seite. In ihrem neuen Roman erzählt Monika Helfer von einer Freundschaft, einem Leben, von mindestens einer eigenwilligen Persönlichkeit und von einer Wiederbegegnung nach Jahrzehnten.

    Am 29. November hat Monika Helfer „Die Jungfrau“ im Literaturhaus Frankfurt vorgestellt. Es moderierte Sandra Kegel.

    Monika Helfers Roman „Die Jungfrau“ auf der Website des Hanser Verlags

    Die Hörbuch-Fassung mit der ungekürzten Lesung des Romans durch die Autorin selbst auf der Website des Hörverlags

    „Jungfräulichkeit wird unterschätzt“: Anna-Louisa Schönfeld über Monika Helfers Roman „Die Jungfrau“

    Das Programm des Literaturhauses Frankfurt

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    1 hr 16 min
  • Fußballstars als Zeichner: Javier Cáceres sammelt „Tore wie gemalt“
    Paul Ingendaay im Gespräch mit Javier Cáceres und Jürgen Kaube

    Javier Cáceres, Fußballreporter der „Süddeutschen Zeitung“, hatte nicht vor, ein neues Genre zu begründen. Er hielt lediglich einem chilenischen WM-Helden von 1962 einen Stift und ein Notizbuch hin, damit der einmal aufzeichne, was er mit Worten irgendwie nicht schildern konnte: das wichtigste Tor seiner Karriere.

    Über 20 Jahre hinweg entstand daraus eine in aller Welt zusammengetragene Sammlung von mehr als 100 Toren, begleitet von Selbstaussagen der Stars: wie ihr berühmtester Treffer entstand, wer ihn vorbereitet oder begünstigt hatte, wie die Umstände waren, der Sonnenstand, das Publikum, die Bandenwerbung, das Feeling, das Glück im allerwichtigsten Fußballermoment überhaupt. Bei „Tore wie gemalt“ handelt es sich nicht nur um Tore bzw. den zeichnerischen Versuch, ein geschossenes Tor auf dem Fußballfeld zu rekonstruieren. Sondern um bewegende, skurrile oder abseitige Momente, die diese Treffer zu etwas Besonderem gemacht haben.

    Mit Javier Cáceres und Jürgen Kaube, dem Herausgeber des Feuilletons der F.A.Z., spreche ich über Tore, Erinnerungen und die Rückkehr in die Kindheit, die der Fußball für so viele von uns ist. Es zeichnen und sprechen Franz Beckenbauer, Pelé, Del Piero, Bobby Charlton, Maradona, Günter Netzer, Mario Kempes, Gerd Müller, Michel Platini, Mario Götze, Michael Laudrup, Rudi Völler, Luis Figo, Pep Guardiola, Kai Havertz und viele, viele mehr. In seinem Nachwort schreibt der Autor, sein Buch kreise „um seltene Augenblicke makellosen Glücks“. Und weiter: „Das Leben stürzt uns in viele Taten und Erlebnisse, die Reue und Schuldgefühle hervorrufen können. Es müssen nicht einmal Untaten sein. Sogar zu viel lieben können wir. Aber es wird sich wohl nie jemand finden lassen, der es bereuen könnte, ein Tor geschossen zu haben.“

    „Tore wie gemalt“ von Javier Cáceres ist erschienen im Insel Verlag, hat 300 Seiten und kostet 22 Euro.

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    59 min
  • Wer macht hier wem was vor? Kristin Höller über ihren Roman „Leute von früher“
    Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel

    Eine Kostümgrenze: Wer nach dem Wort googelt, sieht fast nur Suchergebnisse, bei denen es um ein einziges Buch geht, einen Roman, ganz frisch erschienen, in dem ein Dorf auf einer nordfriesischen Insel Gäste empfängt, als wäre dort die Zeit stehengeblieben: in Kittel und Schürze, in einem Laden und einer Teestube wie anno dazumal. Alle Leute, die dorthin zum Arbeiten kommen für die Saison, müssen im Dorf, also hinter der Kostümgrenze, mit den Klamotten herumlaufen, die sie für ihre Jobs zugeteilt bekommen haben, auch wenn sie eigentlich von irgendeiner „My Fair Lady“-Produktion auf irgendeinem Kreuzfahrtschiff stammen.

    Auch das Badehaus mit dem ganzen Spa-Programm hat es so in einem solchen Dorf selbstverständlich nie gegeben, das Teehaus haben sie aus Ostfriesland hergeschafft, und die Kekse im Laden kippen sie für die Kunden einfach aus der Supermarktpackung in die großen Gläser. Das ist das Setting von „Leute von früher“, dem zweiten Roman von Kristin Höller, für den sich die Autorin gleich eine ganze Insel ausgedacht hat, die es so nicht gibt. Die es so nicht mehr gibt, seit bald vierhundert Jahren, als bei der Burchardiflut in der Nacht auf den 12. Oktober 1634 die nordfriesische Insel Strand unterging, zu der Jahrhunderte vorher auch das legendäre Rungholt gehörte. Heute sind nur noch Pellworm, Nordstrand und die Halligen Nordstrandischmoor und Südfall davon übrig.

    Kristin Höller schickt eine junge Frau, Marlene, für sechs Monate nach Strand, mit Ende zwanzig, nach dem Studium, ohne größere Zukunftspläne, ohne größere Fragen an sich selbst oder ihr Leben oder die Welt. Das ändert sich in „Leute von früher“, diesseits und jenseits der Kostümgrenze, in den schmucken Häuschen, bei denen die Touristen Urlaub machen, aber auch in der Barackensiedlung, in der die Saisonkräfte auf Strand hausen. Mitte April ist „Leute von früher“ im Buchhandel angekommen, und diesmal ist Kristin Höller im Bücher-Podcast der F.A.Z. zu Gast.

    Nach dem Gespräch mit Kristin Höller gibt es wieder ein neues Literatur-Rätsel von Tilman Spreckelsen, dazu die Lösung des Rätsels aus dem März 2024 und den Namen des Gewinners oder der Gewinnerin.

    „Leute von früher“ von Kristin Höller auf der Website des Suhrkamp Verlags

    „Speerwerfen in der rheinischen Provinz“: Martin Halter über Kristin Höllers Debütroman „Schöner als überall“

    faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel

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    1 hr
  • Sie kann nichts dafür, ein Popstar zu sein: Dietmar Dath über Miley Cyrus
    Kai Spanke im Gespräch mit dem Autor

    Im Jahr 2014 besucht Dietmar Dath ein Konzert von Miley Cyrus. Und zwar wegen Sky Ferreira, die als „opening act“ das Publikum auf Betriebstemperatur bringen soll. Mit Miley Cyrus verbindet er „vages Grauen“. Eine nicht weiter relevante Sängerin eben, die als Kinderstar in der züchtigen Disney-Serie „Hannah Montana“ mitspielte. Schon sehr blöd, findet Dietmar Dath. Jedenfalls liefert Sky Ferreira eine ordentliche Darbietung ab. Erwartbar. Dann legt Miley Cyrus los und bläst „dem Heini innerhalb von zwölf Minuten und drei Nummern komplett die Vorurteile aus dem dummen Kopf“.

    Der ehemalige Dummkopf hat sich jetzt ein paar gar nicht so dumme Gedanken darüber gemacht, was an dem Abend mit ihm passiert ist. Miley Cyrus nämlich zählt seit nunmehr zehn Jahren zu seinen „untouchables“. Wehe dem, der unqualifizierten Quark über sie redet. Sie kommt, das ist schon mal sympathisch, aus einer Position des Reichtums, kultiviert deswegen aber nicht gehobenen Snobismus, sondern eine offene Haltung zur Welt. Sie nimmt, auch nicht übel, sehr gute Platten auf. Und sie macht sich, mindestens genauso stark, vernünftige Gedanken über den Inhalt und die Form von Kunst. Warum Disney ein „Verbrecher-Haufen“ ist, was daraus folgt, wenn man in eine Pop-Welt hineingeboren wird, und wieso Miley Cyrusʼ Coverversionen bekannter Songs so besonders sind wie ihre Stimme, all das erläutert Dietmar Dath in dieser Folge des Bücher-Podcasts.

    „Miley Cyrus“ von Dietmar Dath auf der Website des Reclam Verlags

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    43 min

About F.A.Z. Bücher-Podcast

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Die F.A.Z.-Redakteure Maria Wiesner, Fridtjof Küchemann und Kai Spanke stellen im Bücher-Podcast der F.A.Z. ausgewählte Neuerscheinungen und Klassiker der Literatur vor. Sie sprechen mit Schriftstellern, Übersetzern und anderen Experten des Literaturbetriebs und beschäftigen sich mit den Eigenheiten des literarischen Lebens und Lesens. Jeden Sonntag erscheint eine neue Episode. Einmal im Monat wird ein Literaturrätsel gestellt und unter den Einsendern der richtigen Lösung ein Buch verlost. Viel Spaß beim Mitmachen!

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