F.A.Z. Künstliche Intelligenz

F.A.Z. Künstliche Intelligenz

By Frankfurter Allgemeine ZeitungBusinessTechnologyManagement
Download on the App Store

F.A.Z. Künstliche Intelligenz episodes

  • Klaus Müller: Warum wir weniger Angst vor KI-Regulierung haben sollten

    Mit dem EU AI Act ist auch die Unsicherheit in die Unternehmen gekommen, welche KI-Anwendung in welche Risikoklasse fällt. Für Klaus Müller von der Bundesnetzagentur sind viele Ängste vor einer harten Regulierung aber übertrieben und die Aufregung oft größer als nötig. „Es gibt eine massive Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und dem, was der AI Act wirklich vorschreibt“, sagte Müller im KI-Podcast der F.A.Z. Digitalwirtschaft. Die Folge sei eine unnötige Zurückhaltung, häufig aus Sorge vor Fehlern und rechtlichen Konsequenzen.

    Dabei sei vieles weit weniger kompliziert als es scheine, sagte Müller. Oft fehle schlicht Orientierung, eine Stelle, die erklärt und durch neue Anforderungen führt. Seine Erfahrung zeige, dass diese Unsicherheit meist auf drei Gründe zurückgeht: „Mangelnde Zeit, fehlende Fachkräfte und die Rechtsunsicherheit“.
    Gerade die Rechtsunsicherheit im Zusammenhang mit dem EU AI Act sowie dem EU Data Act, zwei zentralen Bausteinen für Europas digitale Zukunft, sei häufig unbegründet. Müller erklärt: „Regulierung muss so gestaltet sein, dass sie Nutzung ermöglicht, statt sie zu blockieren“. Entscheidend sei außerdem, dass sie in der Praxis verständlich bleibe und Unternehmen Orientierung biete. Behörden wie die Bundesnetzagentur sollten dabei unterstützen, nicht verunsichern.
    Um mehr Klarheit zu schaffen, baut die Bundesnetzagentur derzeit ihre Beratungsangebote aus und setzt auf Aufklärung. Mit dem neuen KI-Service-Desk soll Unternehmen der Einstieg in den praktischen Einsatz von KI erleichtert und Unsicherheiten abgebaut werden. Müller formuliert das Ziel klar: „Die Bundesnetzagentur muss rund um den Data Act und den AI Act den Ruf eines Ermöglichers erlangen, wo man sich guten Gewissens hinwenden kann“.
    Auch bei der Bundesnetzagentur wird KI eingesetzt, zum Beispiel in der Stromnetzplanung, in Genehmigungsverfahren sowie im Verbraucherservice zum Einsatz. Besonders der neue Chatbot „Kai“ verdeutlicht, wie Verwaltung durch den gezielten Einsatz von KI effizienter gestaltet werden kann, ohne dabei an Sicherheit einzubüßen. Für Müller ist klar: Es geht nicht darum, Technik zu verhindern, sondern sie verantwortungsvoll zu nutzen.
    Im internationalen Vergleich hebt Müller hervor, dass Europa einen eigenen Weg gehe. Während die USA auf größtmögliche Freiheit und China auf strenge staatliche Kontrolle setzen, liege die europäische Stärke in klaren Regeln und verlässlichen Standards. „Unser Anspruch muss sein, die europäischen Regelungen zu einem Wettbewerbsvorteil zu entwickeln“. Vertrauen, Transparenz und klare Verantwortlichkeiten seien langfristig die besseren Erfolgsfaktoren. Dieses Ziel verfolgt Müller auch national: „Unser Bestreben ist es, vertrauenswürdige KI in Deutschland zu etablieren, zu einem Erfolgsmodell zu machen“.

    Sein Blick in die Zukunft bleibt optimistisch. Statt nach immer neuen Regeln zu rufen, setzt er auf Umsetzung, Kooperation und Vertrauen in die Innovationskraft. „Nicht alle Ängste, die es gibt, sind tatsächlich substantiiert“, sagt er mit Blick auf die aktuelle Debatte. Entscheidend sei, Wissen zu vermitteln und Vertrauen aufzubauen: „Das kann man nur durch Aufklärung tun und durch eine Regulierungsbehörde, die nicht Angst macht, sondern unterstützt“.

    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcast-Folgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.


    Hören Sie unsere exklusiven Podcast-Folgen auf Apple Podcasts, FAZ.NET oder in der FAZ-App und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel: Testen Sie FAZ+ jetzt 3 Monate lang für nur 1 € im Monat – hier geht’s zum Angebot.

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

    37 min
  • „Künstliche Intelligenz trifft eine Milliarde Entscheidungen – am Tag“

    „KI ist eines der strategischen Elemente, um künftig Effizienz zu steigern, die Wettbewerbsfähigkeit der Kerngeschäfte zu sichern und zugleich Herausforderungen wie den Fachkräftemangel zu bewältigen.“ Sagt Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits, der Digital- und IT-Sparte der Schwarz Gruppe, zu der auch Lidl und Kaufland zählen.

    Bereits heute ist KI fester Bestandteil des Tagesgeschäfts bei der Schwarz Gruppe. „Wir treffen rund eine halbe Milliarde Entscheidungen am Tag mit KI, am Ende des Jahres werden es gut eine Milliarde sein“, so Schumann. Auch wenn diese Zahl unterschiedliche Anwendungsfelder umfasst, von Prognosen in der Logistik über die Regalplanung bis hin zum Kundenservice, zeigt sich ein klares Muster: KI übernimmt Routineaufgaben, beschleunigt Entscheidungen und stärkt so Effizienz, Nachhaltigkeit und Kundennähe.
    Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den sogenannten Agenten. Für die Schwarz Gruppe sollen sie künftig eine Schlüsselrolle einnehmen, zum Beispiel zur Strukturierung von Prozessen, zur Systematisierung von Wissen und zur Erweiterung der Entscheidungsfähigkeit der Beschäftigten. Wissen und Erfahrung, die bisher nur wenigen Spezialisten vorbehalten waren, werden auf diese Weise für die gesamte Organisation nutzbar. Schumann betont: „Man schafft es, extrem wichtiges Expertenwissen und auch Erfahrung in die Breite zu bringen, unabhängig von Alter, Betriebszugehörigkeit oder Erfahrung“. Darin liegt für ihn ein entscheidender Fortschritt: „Mitarbeitende werden mit Hilfe von KI in die Situation gebracht, bessere und effizientere Entscheidungen zu treffen“.
    Ein weiteres zentrales Thema ist für Schumann die digitale Unabhängigkeit. Die Schwarz Gruppe investiert daher massiv in eigene Cloud- und Rechenzentren. Digitale Souveränität bedeutet für ihn jedoch nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, Partnerschaften bewusst einzugehen und sie ebenso klar zu beenden, wenn fundamentale Prinzipien verletzt werden: „Souveränität ist auch, jederzeit vom Tisch aufstehen zu können, wenn jemand gegen deine Werte geht“.
    Schließlich richtet Schumann den Blick auf Europa: „Bei den ganz großen Sprachmodellen haben wir den Zug verpasst“. Umso wichtiger sei es, die eigenen Stärken zu nutzen, vom industriellen Know-how über hohe Qualitätsstandards bis hin zu den zahlreichen Hidden Champions. „Wir müssen uns auf unsere Stärken fokussieren“, betont er, und nennt vor allem Domainwissen, Bildung und Wissen als Fundament. Während die USA und China auf Größe und Datenmengen setzen, sieht Schumann Europas Chance darin, KI mit Branchenexpertise, Qualität und einer starken Wertebasis zu verbinden.

    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcast-Folgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.


    Hören Sie unsere exklusiven Podcast-Folgen auf Apple Podcasts, FAZ.NET oder in der FAZ-App und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel: Testen Sie FAZ+ jetzt 3 Monate lang für nur 1 € im Monat – hier geht’s zum Angebot.

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

    47 min
  • Vom Papier zum Chatbot: Wie KI die Verwaltung modernisiert

    Christian Engelhardt ist seit 2015 Landrat des Kreises Bergstraße und zählt zu den ersten seiner Zunft, die Künstliche Intelligenz konsequent in die Verwaltung eingesetzt haben. Für Engelhardt steht fest: „KI macht Verwaltung moderner, erreichbarer, zukunftsfähiger“. Statt auf lange Abstimmungsprozesse zu warten, ermutigte er seine Mitarbeitenden früh, Sprachmodelle wie ChatGPT bei der Arbeit zu testen und Erfahrungen zu teilen: „Einfach mal auszuprobieren, das ist normalerweise nicht so die Stärke von uns Deutschen und das wollte ich ändern“.

    Gerade bei Routinetätigkeiten sieht Engelhardt in der KI ein großes Potenzial, die oft langsamen Verwaltungsprozesse grundlegend zu beschleunigen. Chatbots können Bürger jederzeit informieren, Anträge aufnehmen und an die zuständigen Stellen weiterleiten. Dadurch lässt sich der Übergang in die entsprechenden Fachverfahren beschleunigen und Entscheidungen werden effizienter getroffen. Für Engelhardt geht die Erneuerung aber noch einen Schritt weiter. „Manche Dinge wird die Behörde künftig vorausschauend selbst regeln“, hofft er. Wenn Ausweise ablaufen oder Fristen enden, solle nicht der Bürger aktiv werden müssen, sondern die Behörde automatisch reagieren. „Eine Behörde weiß ganz genau, wann der Personalausweis abläuft, also wieso wird das nicht umgedreht?“ fragt Engelhardt und sieht darin einen zentralen Schritt für einen serviceorientierten Staat, der mit dem Tempo digitaler und „klug aufgebauter“ Plattformen mithalten kann.
    KI als Antwort auf den Fachkräftemangel
    Gleichzeitig sieht Engelhardt in KI eine wichtige Antwort auf den Fachkräftemangel. Wo Routineprozesse automatisiert werden, bleibe mehr Zeit für zwischenmenschliche Aufgaben, beispielsweise in Beratung, Pflege oder Erziehung. „Die Arbeit wird nicht ausgehen, und es gibt sehr viele Ideen, in die man menschliche Empathie, Intelligenz und Kreativität investieren kann“, sagt Engelhardt.
    Es gehe nicht darum, Arbeitsplätze abzuschaffen, sondern darum, die knappen Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden: „Es gelingt uns ja jetzt schon nicht mehr, all die Fachkräfte, die wir brauchen, zu finden.“ KI verschiebe die Schwerpunkte und stelle sicher, dass Verwaltung trotz schrumpfender Belegschaften zuverlässig funktioniert „Wir als Staat müssen nicht nur erreichbar sein, sondern auch funktionsfähig bleiben“. Genau darin liegt für ihn die große Chance: Mit KI könne der Staat schneller, verlässlicher und bürgernäher arbeiten.
    Damit dieses Potenzial Wirklichkeit wird, brauche es jedoch klare politische Rahmenbedingungen. Engelhardt unterscheidet hier zwischen zwei Ebenen: Der Bund müsse Standards schaffen, Schnittstellen vereinheitlichen und Rechtssicherheit garantieren. Nur so könnten erfolgreiche Projekte bundesweit Wirkung entfalten. Gleichzeitig seien es die Länder, die Pilotprojekte ermöglichen sollen. Hessen beispielsweise habe durch sein Digitalministerium gezeigt, wie wertvoll finanzielle Förderung vor Ort sein kann.
    Kommunen erhalten dadurch Freiräume, Neues auszuprobieren, ohne das volle Risiko allein zu tragen: „Durch solche Modellprojekte schafft der Staat einen Erprobungsraum“, so Engelhardt. Gerade diese Förderung vor Ort sei für Kommunen sehr wertvoll, weil sie Mut mache, innovative Wege zu gehen und eine echte Fehlerkultur zulasse. Für Engelhardt ist klar: „Entbürokratisierung müssen wir künftig immer mitdenken“, denn nur wenn Gesetze und Regeln Automatisierung zulassen, entfaltet KI ihr volles Potenzial.

    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcastfolgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.


    Hören Sie unsere exklusiven Podcast-Folgen auf Apple Podcasts, FAZ.NET oder in der FAZ-App und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel: Testen Sie FAZ+ jetzt 3 Monate lang für nur 1 € im Monat – hier geht’s zum Angebot.

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

    34 min
  • „Die Bankenwelt erlebt Revolution in einem Tempo, das viele vielleicht überfordert“

    Künstliche Intelligenz wird die Bankenwelt grundlegend verändern, erwartet Florian Rentsch, Vorsitzender des Verbands der Sparda-Banken. In der neuen Folge des F.A.Z. KI-Podcasts spricht er über Chancen, Grenzen und regulatorische Herausforderungen des KI-Einsatzes im Finanzsektor: „Wir sind da in einer ganz neuen Welt angekommen.“ Damit diese Transformation gelingt, brauche es aber kluge Rahmenbedingungen, nicht lähmende Regulierung aus Prinzip.

    Rentsch beschreibt: „Wir erleben gerade Revolution in einem Tempo, das für viele fordernd, vielleicht auch überfordernd ist.“ KI sei dabei längst mehr als ein technisches Hilfsmittel: Sie werde die innere Struktur unserer Organisationseinheiten und damit das traditionelle Geschäftsmodell vieler Banken verändern. Ein zentrales Anwendungsfeld sieht er im datengestützten, personalisierten Vertrieb: Früher sei mit der „Schrotflinte“ gearbeitet worden, heute machen es KI-Systeme möglich, den Kunden passgenaue Angebote zu machen, etwa für die Geldanlage. Die Beratungsqualität könne damit enorm verbessert werden. Auch auf Kundenseite sorge KI für Veränderung, auf die sich Banken einstellen müssen: „Kunden sind viel schneller in der Lage, sich auf Sachverhalte einzustellen, weil KI Informationen sehr viel schneller zusammenfasst und vergleicht“.
    Neben der Kundenberatung verändert der Einsatz von KI zunehmend auch die tägliche Arbeit in den Banken, vor allem in der Wissensarbeit: „Denken und Wissensvermittlung lassen sich heute technologisch in einem Ausmaß unterstützen, das wir vorher nie hatten.“ Für Rentsch ist das nicht nur ein Effizienzversprechen, sondern auch ein Führungsauftrag: „Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden ausprobieren, dazulernen, offen sind.“ Entsprechend setzt der Sparda-Verbund auf Schulungen, sichere KI-Umgebungen und eine breite Verfügbarkeit der Tools.
    Doch wie gelingt Innovation in einem hochregulierten Umfeld? Rentsch sieht hier ein grundlegendes Problem, vor allem beim Blick auf die europäische Gesetzgebung. Den EU AI Act kritisiert er deutlich: „Wir schaffen durch solche Regulierung ein Mindset, das defensiv ist.“ Statt über Chancen zu sprechen, liege der Fokus zu stark auf potenziellen Risiken. Regulierung werde „als Selbstzweck forciert“ und sei teils nicht wissenschaftlich basiert. Das Ergebnis: ein lähmendes Regelwerk, hohe Compliance-Kosten und Wettbewerbsnachteile gegenüber innovationsfreudigeren Weltregionen.
    Trotz dieser Herausforderungen bleibt Rentsch optimistisch: „Ich glaube, die Mutigen werden am Ende belohnt.“ Der Wandel sei in vollem Gange, angetrieben auch von einer neuen Generation, für die der Einsatz von KI selbstverständlich ist. Jetzt komme es darauf an, die Chancen aktiv zu gestalten. Denn: „Wir erleben eine Revolution der bisherigen Arbeitsweise – und wer sie nicht mitgeht, wird im Markt deutliche Nachteile erhalten.“
    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcastfolgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.


    Uns gibt’s auch zum Lesen: Finden Sie hier Ihr passendes F.A.Z.-Abo.

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

    33 min
  • 50. KI-Podcast - RWE-Direktorin: „KI wird für den Geschäftserfolg entscheidend sein“

    Was bedeutet Künstliche Intelligenz für den Unternehmenserfolg – und wie lässt sich ihr Einsatz mit Werten und Kultur vereinbaren? In der 50. Folge des F.A.Z. KI-Podcasts gibt Katja van Doren, Personalvorständin und Arbeitsdirektorin der RWE AG, Einblicke in den praktischen Umgang mit KI bei RWE. Für sie ist klar: „KI wird für den Geschäftserfolg entscheidend sein“. Doch der Einsatz solle nicht blind Trends folgen, sondern echten Mehrwert schaffen: „Wir machen KI nicht um der KI willen“.

    Die Realisierung von konkreten Potentialen stehe deshalb bei RWE im Vordergrund: „Wir machen Künstliche Intelligenz nur dort, wo sie einen echten Mehrwert schafft, also nicht aus Prinzip, sondern mit Verstand“. Eine konkrete Anwendung bei RWE im Personalwesen sei beispielsweise ein Tool zum Abgleich von Lebensläufen und offenen Stellen: „Und es funktioniert - wir haben schon einige Menschen darüber eingestellt“. Trotzdem sei es wichtig, die Technologie umfassend zugänglich zu machen und Freiräume zum Ausprobieren zu schaffen.
    Der KI-Einsatz beginnt spielerisch
    RWE hat dafür ein eigenes Sprachmodell für Mitarbeitende entwickelt: „Jeder kann damit entweder wirklich arbeiten oder sich einfach mal ausprobieren. Und es ist auch vollkommen egal, ob es privat oder beruflich ist“. So kann der Einsatz von KI spielerisch beginnen und es bestehe die Möglichkeit, neue Wege für KI-Anwendungen zu entdecken. Derzeit befinde man sich noch überwiegend in einer Phase des Ausprobierens, was jedoch ausdrücklich gewünscht ist. Tracking der Produktivität? Bisher nicht. Denn KI-Transformation brauche Begleitung. Erst wenn Vertrauen, Kompetenz und Akzeptanz gewachsen sind, könne der technologische Wandel wirklich Wirkung entfalten.
    Für den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Einklang mit den Unternehmenswerten hat RWE eine eigene Governance-Richtlinie entwickelt: Wichtig sei der Einsatz „in einem Rahmen, der sicher ist, wo unsere Werte gelebt werden“. Denn bei aller technologischen Veränderung bleibt für van Doren klar: „Der Mensch steht im Mittelpunkt“. KI könne vorbereiten und unterstützen, aber Entscheidungsverantwortungen liegen weiterhin beim Menschen. Daher sei es wichtig, Mitarbeitende zu befähigen und zu begleiten. „Wir beschäftigen uns schon seit anderthalb Jahren damit, wie wir unsere Mitarbeiter eigentlich trainieren und auch durch diese Transformation begleiten [können]“, so van Doren. Das Unternehmen müsse verstehen, wie KI von den Mitarbeitenden angenommen und was für eine gute Integration und Unterstützung benötigt wird.
    KI ist mehr als ein Trend
    Für Katja van Doren steht fest: KI ist weit mehr als nur ein technologischer Trend und wird bestehende Geschäftsfelder und Branchen revolutionieren. Unternehmen, die KI gezielt und verantwortungsvoll einsetzen, könnten künftig nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch wettbewerbsfähiger und innovativer agieren: „Es wird der essenzielle Erfolgsfaktor für Geschäftserfolg sein“.
    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcastfolgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.

    35 min
  • „Eigene Rechenkapazitäten und KI-Initiativen in Europa“

    Ein Meilenstein für die deutsche Digitalpolitik: Erstmals bündelt ein eigenes Bundesministerium zentrale Kompetenzen zur Digitalisierung. Warum es höchste Zeit für den Schritt war, erklärt Kristina Sinemus, Hessens Ministerin für Digitalisierung und Innovation, in dieser Folge des F.A.Z. KI-Podcasts. Wo aktuell beispielsweise bürokratische Prozesse zwischen zu vielen Ministerien und Stellen verteilt sind, müssten wir jetzt „in der Verwaltungsdigitalisierung in eine andere Systematik kommen und […] einen Paradigmenwechsel einläuten, nämlich mehr in Zentralisierung und Standardisierung gehen”, sagte Sinemus. Nur so könne es gelingen, im Konzert zwischen Bund und Ländern tatsächlich eine neue Dynamik zu entwickeln.

    Den Weg zur Konkurrenzfähigkeit im KI-Wettlauf könne Deutschland dennoch nicht allein schaffen – im Gegenteil: Wer Digitalisierung politisch voranbringen wolle, müsse nicht nur national denken, sondern auch europäisch handeln. Sinemus macht deshalb deutlich, wie wichtig es für uns sei, digitale Souveränität in Europa zu stärken - durch eigene Rechenkapazitäten, gemeinsame KI-Initiativen und den Mut, bestehende Regelwerke weiterzuentwickeln. So sei sie beispielsweise offen dafür, die viel-kritisierte Datenschutzgrundverordnung DSGVO einmal auf europäischer Ebene zu novellieren: „Ich bin der Meinung, dass wir das Thema Datenschutz nochmal angehen müssen und nicht Datenschutz, sondern eher Daten-Nutzungsstrategien fahren sollten”, fordert Sinemus. Die DSGVO lasse zudem „ein paar Rechtsräume, die man durchaus interpretieren kann – und die müssen wir schließen”.

    Gleichermaßen sieht die Ministerin auch im EU AI Act eher eine Chance als eine Hürde, vorausgesetzt, er werde innovationsfreundlich umgesetzt. Entscheidend sei eine Balance zwischen Schutz und Innovationsoffenheit – Anwendungen in Bereichen mit höchstem Risiko wie beispielsweise Systeme zur sozialen Bewertung zwar zu verbieten, für die weniger riskanten Bereiche aber “eine Nutzenkultur, eine innovationsfreundliche Umsetzung des AI Acts auf den Weg [zu] bringen”.

    Auf Landesebene zeige sich darüber hinaus, wie KI ganz konkret zur Verbesserung staatlicher Strukturen beitragen kann, zum Beispiel beim Abbau von Bürokratie. „Wir sind wirklich privilegiert hier in Hessen, dass unser Ministerpräsident nicht nur entschieden hat, ein Digital- und Innovationsministerium einzurichten, sondern auch eines für Entbürokratisierung und Staatsmodernisierung". Gerade die Verbindung von Digitalstrategie und Verwaltungsmodernisierung biete enormes Potenzial: KI könne helfen Prozesse effizienter zu gestalten, Routineaufgaben zu automatisieren und Mitarbeitende zu entlasten. Ministerin Sinemus nennt dabei auch konkrete KI-Anwendungen, wie beispielsweise ein System im Bürgerbüro Offenbach, das Kfz-Anmeldungen übernehmen kann. Ziel sei es, Verwaltungsdienstleistungen nicht nur schneller, sondern auch bürgernäher und nutzerfreundlicher zu machen – und so einen echten Kulturwandel im Behördenalltag anzustoßen. Dabei gehe es laut Ministerin Sinemus nicht nur um Technik, sondern auch um Werte: „Am Ende ist es immer der Mensch, der entscheidet“.

    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcastfolgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.

    26 min
  • Weder HAL noch Terminator - Wie Künstliche Intelligenz die Kriegsführung verändert

    KI im Krieg: Vision oder längst Realität? „Im Krieg wird alles zur Waffe", sagt Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz und Experte für den Ukrainekrieg, mit Blick auf speziell für den Krieg in der Ukraine entwickelte KI-Anwendungen. Lange beschreibt in dieser Folge anschaulich, wie die Ukraine durch die Fusion von Sensoren und KI-gestützten Systemen eine Luftverteidigung aufgebaut hat, die „in vielen Bereichen besser und schneller ist als die, die wir hier bei uns haben".

    Dabei spiele die Nutzung und Weiterentwicklung von Open-Source-Lösungen eine zentrale Rolle: Bestehende Technologien würden „militarisiert", also umfunktioniert und direkt an der Front weiterentwickelt. Diese unmittelbare Verzahnung zwischen Entwicklung und Anwendung wirke als mächtiger Technologietreiber. Gleichzeitig warnt Lange aber auch vor den Risiken des Open-Source-Ansatzes durch die unkontrollierte Verbreitung leistungsfähiger KI-Modelle: „Wenn es große, sehr leistungsfähige Modelle gibt, die ein Staat wie China oder eine terroristische Gruppe nehmen kann, dann ist das perspektivisch ein Problem.“ Eine zukünftige Regulierung und Kontrolle der Weitergabe solcher Modelle sei aus seiner Sicht unumgänglich: „Die Diskussion über die Nichtverbreitung bestimmter KI-Modelle werden wir künftig brauchen.“
    KI verändere nicht nur die operative Kriegsführung, sondern auch deren Ökonomie: Die Technologie ermögliche günstigere Lösungen für militärische Herausforderungen – ein zentraler Faktor für die Ukraine, die mit begrenzten Ressourcen operiert. Die datengetriebene Kriegsführung ermögliche es, präziser und effizienter zu agieren und habe so der Ukraine geholfen, sich gegen die russische Übermacht zu behaupten. Eine entscheidende Rolle spiele dabei zum Beispiel die Einbindung ziviler Datenquellen wie Handyvideos oder kommerzieller Satellitenbilder in die militärische Aufklärung.
    Darüber hinaus werde KI nicht nur auf dem Schlachtfeld eingesetzt: Auch im Kampf gegen Desinformation biete sie neue Möglichkeiten. Gerade Russland sei auf diesem Feld besonders aktiv. Die KI könne helfen, schädliche Akteure und Bots zu identifizieren und ihre Netzwerke zu zerschlagen. In Zeiten der hybriden Kriegsführung könnten solch digitale Einsatzbereiche zunehmend an Bedeutung gewinnen.
    Um unserer ethischen Verantwortung nachzukommen und uns gleichzeitig in der Sicherheit technologisch nicht abhängen zu lassen, sei es laut Lange entscheidend, ethische Fragestellungen nicht abstrakt, sondern anhand konkreter Anwendungsfälle zu diskutieren: „Besser anfangen – und dann bei den konkreten KI-Anwendungen die ethischen Fragen auf Grundlage unserer Werte diskutieren“. Nur so könne die gesellschaftliche Debatte versachlicht und die technologische Entwicklung sinnvoll mitgestaltet werden.
    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcastfolgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.


    Uns gibt’s auch zum Lesen: Finden Sie hier Ihr passendes F.A.Z.-Abo.

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

    48 min
  • „Künstliche Intelligenz macht Jobs menschlicher“

    Daten spielen in den Geschäftsmodellen der Versicherungen seit jeher eine entscheidende Rolle. Deshalb seien sie prädestiniert für den Einsatz der KI, erläutert Mark Klein, Chief Digital Officer bei der Ergo Gruppe, in der neuen Folge des F.A.Z.-KI-Podcasts. Ergo verwende die Technologie daher bereits entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bei der Bearbeitung von eingehenden Versicherungsansprüchen finden KI-Tools beispielsweise an mehreren Stellen im Prozess Anwendung: „Wir führen im Dokumenteneingang – sei es jetzt eine Arztrechnung oder ein Rezept – eine Klassifikation der Dokumente durch. Dazu gehört natürlich auch die Extraktion von Daten bis nachher zur Entscheidung ‚Zahlen wir die Leistung oder nicht?“, berichtet Klein. Darüber hinaus könnten KIs beispielsweise Schäden auf Fotos von Fahrzeugen erkennen, um den Prozess der Schadenerfassung beim Beantragen einer Kfz-Versicherung zu verschlanken. Mit Ergo GPT habe Ergo zudem auch einen eigenen KI-Assistenten à la ChatGPT eingeführt, der seit einem Jahr allen Mitarbeitenden in Deutschland zur Verfügung steht. „Mittlerweile nutzen 60 Prozent unseres Innendienstes die Technologie, mit 5000 bis 6000 Unique Usern pro Monat“, erklärt Klein. Ziel sei es, die Nutzung weiter auf 90 Prozent zu steigern, denn „Technologie muss man erfahren. Die kann man nicht in PowerPoint erlernen. Da müssen die Kolleginnen und Kollegen reingehen und sagen ‚Ich probiere die jetzt mal aus‘“, so Klein.

    Um die Akzeptanz der neuen Werkzeuge zu erhöhen, setze Ergo auf das Format „Digital Morning“. Alle drei bis vier Wochen zeigen Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen, wie sie die KI-Tools nutzen – sei es für die Automatisierung von Makros, die Erstellung von Tabellen oder die Bearbeitung von Kundenanfragen. „Die Fans der Technologie müssen eine Bühne bekommen“, betont Klein, denn begeisterte Erfahrungsberichte aus der Praxis überzeugten mehr als Vorgaben von oben. Die bislang positive Resonanz für die Technologie spiegele sich auch in den Nutzungszahlen von Ergo GPT: Seit der Einführung seien insgesamt bereits mehr als 800.000 Prompts von Ergo Mitarbeitenden eingegangen, wobei aktuell monatlich rund 200.000 Anfragen hinzukämen.
    Die Vorteile des KI-Einsatzes liegen auf der Hand: Je nach Prozess könne die Verwendung der neuen Werkzeuge zu Effizienzsteigerungen „in Richtung von 20 Prozent“ führen, erzählt Klein. Die häufig angesprochene Übersetzung der zusätzlichen Produktivitätsgewinne in Arbeitsplatzverluste sieht Klein aber dennoch nicht. Denn aktuell nehme aufgrund des aktuellen demografischen Wandels mit dem Eintreten vieler Babyboomer in das Rentenalter die zur Verfügung stehende Arbeitskraft ab, und gleichzeitig kämen mehr Spitzen in der Arbeitsbelastung hinzu, zum Beispiel durch die Zunahme von Naturkatastrophen. KI könne helfen, diese drohende Produktivitätslücke zu schließen. „Wir hätten eher ein Problem, wenn wir die Technik nicht hinbekommen“, sagt Klein. Zudem erwarte er zwar eine Veränderung der Jobprofile durch KI – aber eine willkommene: So fänden bei Ergo bereits KI-Tools Anwendung, die eingehende Dokumente, beispielsweise Material- und Laborkostenpläne, automatisiert auslesen und den Mitarbeitenden digitalisiert vorausgefüllt zur Verfügung stellen. Somit entfalle das mühselige, stundenlange Abtippen der Dokumente durch Mitarbeitende – die „hellauf begeistert“ über den Wegfall der lästigen Routineaufgaben waren, berichtet Klein. „Damit macht KI unsere Jobs menschlicher. Weil ich eben nicht mehr Teil des Systems bin und Sachen mache, wo ich eigentlich sage, das muss heutzutage die Maschine können – sondern ich kontrolliere die Maschine“.

    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcastfolgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.


    Uns gibt’s auch zum Lesen: Finden Sie hier Ihr passendes F.A.Z.-Abo.

    45 min
  • Generative KI in der Bank: Der Nutzen übersteigt die Kosten schon heute

    Investitionen in Generative Künstliche Intelligenz lohnen sich, selbst im hochregulierten Bankensektor, berichtet Christian Brauckmann, Vorstandsmitglied für IT und Organisation bei der DZ Bank. Die DZ Bank habe seit der Implementierung der hauseigenen ChatGPT-Instanz „DZ Chat“ im Sommer 2023 die erzielten Produktivitätssteigerungen sowie die anfallenden Kosten gemessen: „Wir haben bislang einen niedrigen einstelligen Millionenbereich investiert, aber der Nutzen, den wir messen, übersteigt bereits mit dem Jahr 2024 diese Aufwendung“, sagt Brauckmann im F.A.Z. KI-Podcast. Auf der Kostenseite stünden dabei neben den Entwicklungskosten für die inzwischen aufgebaute GenAI-Plattform und ihre technischen Komponenten auch Kosten für die Schulung der Mitarbeitenden für den Einsatz der neuen KI-Tools. Diesen stehen aber schon ein „Nutzen pro Jahr von über 3 Millionen Euro gegenüber“, erklärt Brauckmann, und fügt an, dass dieser sich in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter erhöhen werde. Gemessen habe die Bank diesen Gesamtnutzen anhand der hohen Nutzungszahlen der KI-Tools und ihrem Beitrag zu den jeweiligen Effizienzzielen der Fachbereiche.

    Um auch wirklich in allen Fachbereichen in den produktiven Einsatz von KI zu kommen, führt Brauckmann die nutzerfreundliche Gestaltung der GenAI-Plattform als wichtigen Erfolgsfaktor an. Diese erlaube es auch Fachbereichen ohne KI-Expertise mithilfe von Low-Code / No-Code Ansätzen, eigene „Fachbereichs-Bots“ zu entwickeln. „Ich glaube, wir haben mittlerweile 33 verschiedene Bots im Einsatz, neben unserer Grundfunktion DZ-Chat“, erzählt Brauckmann. Diese Bots könnten beispielsweise Mitarbeitende des Kreditgeschäfts mit Analysen und Vergleichen von Geschäftsberichten unterstützen oder Mitarbeitenden des Fördermittelgeschäfts mithilfe interner Daten bei der Auswahl von Fördermitteln zur Hand gehen.
    Ein zweiter Erfolgsfaktor sei der Kompetenzaufbau bei den Beschäftigten: „Ein Format nennen wir KI-Bootcamp, wo wir mit mehreren Leuten, auch mit Führungskräften, uns mit KI auseinandersetzen. Wo auch noch einmal die Grundlagen des Promptings dargestellt werden. […] Das muss man einfach lernen und üben, üben, üben“, sagt Brauckmann. Das Schulungsangebot werde zudem durch „Floorwalkers“ ergänzt: KI-affine Experten in den Fachabteilungen, die bei der Einführung neuer KI-Anwendungen über die Schulter schauen und Fragen beantworten könnten. Durch den breiten Kompetenzaufbau arbeiteten heute bereits etwa 2200 der insgesamt 6000 Bankmitarbeitenden regelmäßig mit KI-Tools, berichtet Brauckmann – was für eine Bank ein guter Fortschritt, aber dennoch weiter ausbaubar sei.

    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcastfolgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.


    Uns gibt’s auch zum Lesen: Finden Sie hier Ihr passendes F.A.Z.-Abo.

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

    34 min
  • Generative KI spart bei Merck 3600 Arbeitsstunden in der Woche

    Unternehmen, die generative KI strategisch clever einsetzen, können die Früchte schnell ernten: 3600 Arbeitsstunden in der Woche erspare allein die hauseigene Wissensmanagement-Anwendung MyGPT den Mitarbeitenden, erzählt Walid Mehanna im F.A.Z. KI-Podcast. Die ChatGPT-ähnliche Lösung mache den Wissensschatz des Unternehmens über Dialoge abrufbar und könnte in vergleichbarer Ausführung in Unternehmen jeder Branche zum Einsatz kommen. „Wenn man das Invest sehr fokussiert macht, ist der Return on Invest heute schon gegeben“, sagt Mehanna. Wichtig sei dabei, diszipliniert nicht jede KI-Welle mitzunehmen, sondern durch Verbindung der generativen KI mit den eigenen Datenbeständen die wirklich spannenden Mehrwerte zu identifizieren, die das Preisschild auch wert wären.

    Über den alltäglichen Einsatz hinaus könnten disruptive KI-Lösungen die Medikamentenentwicklung beschleunigen oder personalisierte Therapien ermöglichen, beispielsweise mit Wachstumshormonen für Jugendliche. Mit Blick in die Zukunft seien für Mehanna insbesondere auch Implantate, die direkt mit dem Nervensystem verbunden werden und bei der Behandlung schwerer chronischer Erkrankungen helfen können, vielversprechend. Die nächste Generation an Implantaten werde „mit KI viel präziser, personalisierter, in Echtzeit auf Nervensignale reagieren können“. Das ist ein frühes Forschungsfeld, aber die ersten Ergebnisse seien extrem positiv.
    Hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen der KI sieht Mehanna in der Veröffentlichung des chinesischen Open Source Modells DeepSeek-R1 vor zwei Wochen schon einen enormen Fortschritt: „Es erinnert mich von der Energie her ein bisschen an den Launch von ChatGPT in 2022.“ Das Modell sei qualitativ sehr hochwertig, in aktuellen Benchmarks entweder gleichauf mit oder besser als Konkurrenzmodelle, und beschreibe seine Vorgehensweise sehr gut in Echtzeit. Zusätzlich sei die Transparenz des Startups zu ihren Entwicklungsfortschritten begrüßenswert und die Lizenz extrem attraktiv – auch für Unternehmen, da sie die kommerzielle Nutzung erlaube. DeepSeek-R1 sei somit eine kosteneffiziente, transparente, offene und performante Option, die allerdings mit einem Haken daherkomme: „Ähnlich wie amerikanische Modelle auch einen Bias haben, ist DeepSeek-R1 politisch korrekt – in China“. Politische Vielfalt sei deshalb im Modell nicht zu erwarten, führt Mehanna aus, ließe sich jedoch bei Bedarf je nach Anwendungsfall leicht nachtrainieren.
    Darüber hinaus gelte es zwischen dem Modell und der Website bzw. der App zu unterscheiden, da die letzteren die eingegebenen Daten auf chinesische Server senden und sie DeepSeek zur Weiterverwendung freigeben, womit sie für den Unternehmenseinsatz nicht in Frage kommen. Dennoch sei die Veröffentlichung des Modells und des zugehörigen Forschungspapers ein Meilenstein in der Entwicklung von KI-Systemen, von der auch die nächste Generation der europäischen Modelle profitieren könnte – wenn Europa die richtigen Schlüsse zieht. So hinke die Risikobereitschaft im Vergleich zur amerikanischen deutlich hinterher, sowohl im Hinblick auf Investitionen in KI, als auch bei der Anwendung neuer KI-Ansätze. Des Weiteren fehle Europa der Fokus: „Ultimativ brauchen wir in Europa mehr Priorität auf dem Thema Digitalisierung. ns geht es vielleicht manchmal zu gut, als dass wir wirklich die Notwendigkeit sehen“, sagt Mehanna.
    Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt, und Digitalwirtschaft-Redaktionsleiter Holger Schmidt. Die Podcast-Folgen erscheinen jeweils am ersten Mittwoch im Monat.
    Uns gibt’s auch zum Lesen: Finden Sie hier Ihr passendes F.A.Z.-Abo.

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartner finden Sie HIER.

    37 min

About F.A.Z. Künstliche Intelligenz

From the publisher's feed

Einmal im Monat sprechen Peter Buxmann und Holger Schmidt mit Gästen über Einsatzfelder der künstlichen Intelligenz in Unternehmen und die Entwicklung neuer datengetriebener Geschäftsmodelle. Peter…

More shows like F.A.Z. Künstliche Intelligenz

Handelsblatt Morning Briefing - News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen by Friederike Hofmann, Sven Prange und die Handelsblatt Redaktion, Handelsblatt

Handelsblatt Morning Briefing - News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen

45 Listeners

F.A.Z. Wie erkläre ich’s meinem Kind? by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Wie erkläre ich’s meinem Kind?

3 Listeners

F.A.Z. Einspruch by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Einspruch

18 Listeners

F.A.Z. Digitalwirtschaft by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Digitalwirtschaft

14 Listeners

F.A.Z. Essay by Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ

F.A.Z. Essay

2 Listeners

F.A.Z. Am Tresen - Der Gesprächspodcast by Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ

F.A.Z. Am Tresen - Der Gesprächspodcast

0 Listeners

F.A.Z. Gesundheit by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Gesundheit

7 Listeners

WirtschaftsWoche Chefgespräch by Beat Balzli

WirtschaftsWoche Chefgespräch

3 Listeners

Handelsblatt Disrupt - Der Podcast über die Zukunft der Wirtschaft by Larissa Holzki, Handelsblatt

Handelsblatt Disrupt - Der Podcast über die Zukunft der Wirtschaft

16 Listeners

F.A.Z. Bücher-Podcast by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Bücher-Podcast

6 Listeners

F.A.Z. Podcast für Deutschland by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Podcast für Deutschland

61 Listeners

F.A.Z. Wissen by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Wissen

10 Listeners

Handelsblatt Today – Der Finanzpodcast mit News zu Börse, Aktien und Geldanlage by Solveig Gode, Nicole Bastian, Sandra Groeneveld, Nele Dohmen, Anis Mičijević, Ben Mendelson, Aileen Bunte

Handelsblatt Today – Der Finanzpodcast mit News zu Börse, Aktien und Geldanlage

25 Listeners

F.A.Z. Finanzen & Immobilien by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Finanzen & Immobilien

5 Listeners

FAZ Abgründe by Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ

FAZ Abgründe

0 Listeners

F.A.Z. Frühdenker - Die Nachrichten am Morgen by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Frühdenker - Die Nachrichten am Morgen

13 Listeners

KI verstehen by Deutschlandfunk

KI verstehen

16 Listeners

Der KI-Podcast by ARD

Der KI-Podcast

20 Listeners

F.A.Z. Machtprobe – Der Auslandspodcast by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Machtprobe – Der Auslandspodcast

6 Listeners

F.A.Z. Beruf & Chance – Wie Arbeit glücklich macht by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Beruf & Chance – Wie Arbeit glücklich macht

2 Listeners

KI-Update – ein heise-Podcast by Isabel Grünewald, heise online

KI-Update – ein heise-Podcast

8 Listeners

Handelsblatt KI-Briefing - Das News-Update zu Künstlicher Intelligenz by Larissa Holzki

Handelsblatt KI-Briefing - Das News-Update zu Künstlicher Intelligenz

0 Listeners

F.A.Z. Bornschein by Frankfurter Allgemeine Zeitung

F.A.Z. Bornschein

2 Listeners

Tech, KI & Schmetterlinge by Sascha Lobo, Schwarz Digits

Tech, KI & Schmetterlinge

5 Listeners