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In diesem Bonus zur Podcast-Folge mit Corina Caduff gibt es einen Ausschnitt aus Caduffs Band «Ein letztes Buch» zu hören. Erschienen im Januar 2023 im Verlag rüffer & rub.
Der Abschnitt, der hier zu hören ist, stammt aus der ausführlichen Einleitung, die Corina Caduff zu ihrem Band geschrieben hat. Er trägt den Titel «Diagnose und Trauerprozess». Gelesen von Elena Ibello.
Wer direkt zum Buch-Text gehen will: Einsteigen bei Minute (01:00).
«Ein letztes Buch», Corina Caduff, Januar 2023, Verlag rüffer & rub
«Sterbende sind Expert:innen fürs Gesundheitswesen», sagt Corina Caduff. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin untersucht seit vielen Jahren literarische Texte von Schriftsteller:innen, die über ihre eigene Krankheit und ihr eigenes Sterben schreiben. Gerade hat Corina Caduff dazu ein neues Buch beim Verlag rüffer & rub herausgegeben: «Ein letztes Buch. Autorinnen und Autoren schreiben über ihr Sterben».
In diesem Buch arbeitet Corina Caduff deutlich heraus, woran es fehlt, wenn es um Krankheit und Sterben geht – in der Gesellschaft, im Gesundheitswesen, im Privaten. Wir sind aufgefordert, uns zu überlegen, wie wir über Krankheit und Sterben reden und vor allem: Wie wir miteinander reden, ohne Menschen mit und ohne Krankheit auseinanderzudividieren, ohne diese bestehende Trennung zwischen dem «Reich der Kranken» und dem «Reich der Gesunden» (Susan Sontag) zu zementieren. Wir müssen eine verbindende Sprache finden.
Als Expertin sowohl für Sprache als auch für die Themen Sterben und Tod gibt Corina Caduff in dieser Folge Einblick in ihre Erkenntnisse. Sie fordert, dass wir die Texte von sterbenden Schriftsteller:innen als «O-Töne» wahrnehmen und unsere Schlüsse ziehen, gerade für die Gestaltung des Gesundheitswesens.
Was sie unter anderem für sich selbst gelernt hat in der Auseinandersetzung mit dieser «Sterbeliteratur»: Dass wir heute das wertschätzen können und sollen, was wir im Leben als wesentlich betrachten. Dass wir den Menschen, die wir mögen, heute sagen, dass wir ihre Präsenz in unserem Leben schätzen. Nicht später, nicht irgendwann, sondern heute.
Wer direkt ins Gespräch einsteigen und das Intro überspringen möchte: Ab (03:46) geht es los (Tap auf die Minutenangabe).
Einen kurzen Ausschnitt aus dem Buch von Corina Caduff gibt es zu hören im Bonustrack zu dieser Podcast-Folge (im Feed von «Das letzte Stündchen» in deiner App).
«Ein letztes Buch», Corina Caduff, Januar 2023, Verlag rüffer & rub
Informationen zum Workshop «Schreiben über Sterben» mit Elena Ibello und Dominique Fonjallaz: ibello.ch/schreiben-sterben
Dank an Ismael Krasnic, der sich in dieser Folge um Ton und Grobschnitt gekümmert hat!
Ankündigung: Das letzte Stündchen macht kurze Sendepause und ist Ende März wieder mit einer Folge zurück.
Zum 2. Geburtstag gibt es im «letzten Stündchen» einen Rollentausch: Alva Hagner, Gast in der allerersten Folge dieses Podcasts, übernimmt die Rolle der Gastgeberin. Elena Ibello, üblicherweise Host, beantwortet ihre Fragen rund um Sterben und Tod sowie zum Podcast «Das letzte Stündchen». Ein Abenteuer für beide, und das in vielerlei Hinsicht!
Es guets Nois!
Gabriela Meissner und Franziska von Grünigen haben schon sehr, sehr viel über Sterben, Tod, Abschied und Trauer nachgedacht. Und befassen sich weiterhin täglich damit.
Verein Hörschatz
Spenden für den Hörschatz
Mein Nachklang (Franziska von Grünigen)
Lebens-Spur (Gabriela Meissner)
Palli Pod, Podcast über Palliative Care in der Schweiz von Gabriela Meissner
My Last Goodbye, in diesem Podcast denken Menschen über ihre eigene Beerdigung nach.
Das letzte Stündchen – Wir reden übers Sterben
Die Künstlerin Renée Magaña hält sich in ihrem aktuellen digitalen Kunstprojekt bedeckt. Aber für das letzte Stündchen lässt sie sich ein bisschen in die Karten blicken. Renée schickt das sympathische Skelett «Swiss Skeli» auf abenteuerliche Reisen durch die Welt und postet regelmässig Postkarten mit Swiss Skeli vor historischen Kulissen auf Instagram. Renée selbst tritt dabei nicht in Erscheinung und nur ganz wenige Leute wissen, wer eigentlich hinter dieser Figur, die uns auf unbeschwerte Weise an unsere Sterblichkeit erinnert, steckt. Renée ist 52 Jahre alt und befasst sich schon seit ihren Anfängen als Künstlerin mit dem Tod. Als Tochter eines Mexikaners und einer Schweizerin ist sie in Los Angeles aufgewachsen und fühlte sich schon immer hingezogen zum Umgang mit dem Tod, wie sie ihn in ihrer Familie und in der mexikanischen Kultur kennenlernte.
Vor wenigen Jahren starb ihr Ehemann. Nach 24 Jahren Partnerschaft begleitete Renée ihn in den Tod. 14 Monate lagen zwischen der Diagnose und dem letzten Atemzug von Martin.
«Emotional war es das Schlimmste, das ich bisher in meinem Leben erlebt habe», sagt Renée Magaña. Und fügt an: «Hätte ich die Wahl, ich würde alles noch einmal genau so machen, wie ich, wie wir es gemacht haben.»
Renée fragt sich, warum wir so grosse Mühe haben, über Sterben, Tod und Endlichkeit zu sprechen oder auch nur nachzudenken. Eigentlich, so findet sie, habe das Thema doch etwa Verbindendes, das wir viel mehr betonen könnten. «Es ist das Einzige, das alle Individuen auf diesem Planeten ganz sicher miteinander gemeinsam haben.» Auch darum hört Renée nicht damit auf, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und andere mit ihrer Kunst ebenfalls dazu anzuregen.
Swiss Sekli im Netz und auf Instagram
Renée Magaña – Urnes and Bones
Gabriella Baumann-von Arx und ihr Mann Frank Baumann reden im letzten Stündchen mit Elena Ibello über Sterben, Tod und Trauer. Gabriella ist Autorin und Verlegerin (Wörterseh-Verlag), Frank ist Fernsehmoderator, Podcaster, Autor und einiges mehr. Die beiden reden über die Lebenszeit, die immer knapper wird und darüber, wie es für sie ist, gemeinsam älter zu werden.
Gabriella arbeitete schon als knapp 13-Jährige in einem Altersheim und erlebte dort das Sterben hautnah. Das hat sie tief beeindruckt. «Es geht so schnell», sagt Gabriella. «Man sollte jetzt Dinge tun, die man erleben möchte, für die man alle Sinne braucht und die man sich noch zutraut.» Darum hat sie Frank zum 65. Geburtstag ein Interrail-Ticket geschenkt. «Das haben wir nicht gemacht, als wir jung waren. Jetzt machen wir es halt im Alter», sagt Gabriella.
«Als Kind hatte ich grosse Angst vor dem Sterben», sagt Verena Gantenbein. Als sie sich später für den Beruf der Pflegefachfrau entschied, war es für sie eine grosse Frage, wie sie damit umgehen würde. Inzwischen arbeitet Verena seit 12 Jahren in der Palliative Care und belgeitet unheilbar kranke Menschen bis zum Lebensende. «Sehr, sehr lange starb nie ein Patient oder eine Patientin in meiner Anwesenheit», erinnert sie sich. «Ich glaube nicht, dass das Zufall ist.» Die Ängste waren immer noch präsent. Inzwischen hat sich das – wie so vieles – verändert. Dennoch kann sich Verena nicht vorstellen, dass sie einmal ihr Leben wird loslassen können.
Im Gespräch mit Elena Ibello spricht sie über ihre Vorstellungen von Sterben und Tod und darüber, wie sie Menschen am Lebensende und deren Angehörige begleitet. Seit sie auch privat in ihrem engsten Umfeld Menschen beim Sterben begleitet hat, hat sich ihre Arbeit verändert. Das Verständnis, die Empathie für die Angehörigen eines sterbenden Menschen, sei viel umfassender als früher. «Einmal selbst zu spüren, wie das ist, war eine einschneidende Erfahrung. Vor allem beim Verlust der eigenen Eltern: Man hat nur eine Mutter und nur einen Vater. Diese absolute Endlichkeit im eigenen Leben zu spüren, zu erfahren, das hat meine Angehörigenarbeit verändert.»
Ein Gespräch, das zeigt, dass nicht alle Menschen «friedlich und im Kreise ihrer Liebsten» sterben können, sondern dass es auch unschöne letzte Tage und Begegnungen gibt. Ein Gespräch, das aber dennoch Zuversicht versprüht. Zuversicht, weil es so viele Menschen gibt, die mit ihrem Einsatz genau das versuchen: Gute letzte Momente ermöglichen. Zuversicht auf Versöhnung mit dem eigenen Leben, wenn es soweit ist. Zuversicht einfach, weil das Leben zwar endlich, aber umso wunderbarer ist.
Hinweise
Als Akrobat steht Lorenz Matter zusammen mit seiner Frau Cornelia Clivio seit über 30 Jahren auf der Bühne. Das «Duo Scacciapensieri» vertreibt die Sorgen der Zuschauer:innen mit atemberaubenden Akrobatik-Nummern.
In den ersten Jahren reiste das Duo viel, trat in zahllosen Ländern auf und als Tochter Irina zur Welt kam, reisten sie zu dritt. Bis Lorenz’ Körper zu streiken begann. Als der trainierte Akrobat 39 war, ging plötzlich nichts mehr. Lorenz war schwer erkrankt. Es folgten Tourneeabbruch und Absagen, Therapien, neue Diagnosen, neue Therapien und immer war da auch ganz viel Hoffnung. Trotz der Sorgen.
Lorenz wollte leben und nahm einiges auf sich. Aber er wollte sich von seiner Krankheit und der Therapie nicht zu stark einschränken lassen. Für ihn war klar, dass er sich trotz starker Chemo nicht von seiner damals 3-jährigen Tochter isolieren würde. Und er trainierte weiter. Er übte seine geliebten Handstände und trainierte mitten in der Chemotherapie Partner-Akrobatik mit Cornelia. Das war nicht ohne Risiko. Schon gar nicht, als auch noch klar wurde, dass seine Aorta wegen einem Aneurysma zu platzen drohte. Aber für Lorenz gehörte das alles so sehr zu seinem Leben, dass er mit Blick auf den Tod erst recht weitermachen wollte, solange es ging. Cornelia vertraute voll und ganz auf Lorenz’ Bauchgefühl. «Aber für sie war es wohl schwieriger als für mich», sagt Lorenz. Die Aussicht auf den eigenen Tod betrübt ihn weniger als der Gedanke daran, seine Familie verlassen zu müssen. «Das war für mich das Schlimmste.»
«Ich glaube, wenn man mit sich im Reinen ist, kann man das Lebensende hinnehmen, wann immer es eben kommen mag», sagt Lorenz. Die Konfrontation mit dem eigenen Tod habe ihn näher zum Leben gebracht.
Lorenz Matter auf Instagram
Duo Scacciapensieri
Diesen Monat müssen wir leider auf ein Gespräch übers Sterben verzichten. Host Elena Ibello fand aufgrund verschiedener Ereignisse – sie haben nicht zuletzt mit ihrem Herzensthema zu tun – keine Zeit, ein ausführliches und gutes Gespräch übers Sterben zu führen.
Lieber als ein oberflächliches, halbherziges Gespräch zu präsentieren, lässt es Elena lieber ganz bleiben und nimmt für die nächste Folge ein Gespräch auf, für das sie die nötige Aufmerksamkeit aufbringt.
Dafür hat Elena im Mai einige andere tolle Aktivitäten in Sachen «Reden und Schreiben übers Sterben» erlebt. Hört selbst!
Ausserdem weist sie von Herzen gerne auf einen brandneuen Podcast über Palliative Care von ihrer Kollegin Gabriela Meissner hin: Hört rein in den «Palli Pod»! Ab 1. Juni 2022 online.
«Trauer braucht Raum und Geduld», sagt Cinzia Sartorio. Als Ritualleiterin sieht sie es als ihre Aufgabe, einen Raum explizit für den Abschied zu schaffen und zu gestalten. Cinzia ist überzeugt, dass Rituale uns dabei helfen können, im Leben weiterzugehen. Weil sie uns helfen, etwas abzuschliessen und einen neuen Anfang zu finden. Gerade der Übergang vom Leben in den Tod und – für die, die zurückbleiben – der Übergang vom Leben mit einem Menschen zu einem Leben ohne diesen Menschen, braucht diesen Raum. Ein Innehalten, um nachher weitergehen zu können.
Wenn Cinzia für andere Menschen Abschiedsrituale gestaltet, will sie wenigstens in diesem Moment Trost spenden. Diese Aufgabe empfindet Cinzia Sartorio als grosse Bereicherung. «Dass mir das Vertrauen entgegengebracht wird, dass ich einen Abschied für andere gestalten kann, das ist ein Geschenk.»
Im «letzten Stündchen» redet Elena Ibello mit Cinzia Sartorio über diese Arbeit, über Rituale in anderen Kulturen, über Erfahrungen mit Sterben, Tod und Trauer und natürlich über das Leben.
Impulse rund um Rituale und Übergänge im Leben, um Trauer und Abschied, findet ihr auf Cinzia Sartorios Instagram-Profil. Weitere Infos unter www.cinzia-sartorio.ch.
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