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Als seine Mutter an Krebs erkrankte und Daniel Wagner realisierte, dass sie wohl nur noch wenige Monate leben würde, rief er alle seine Kunden an und sagte ihnen: «Liebe Kunden, ich arbeite die nächsten vier Monate nicht, ich begleite jetzt meine Mutter. Wenn ihr etwas braucht, sucht euch jemand anderes, ich klinke mich aus.» Die Reaktionen fielen ausschliesslich positiv aus. Alle sagten: «Mach das!»
Gemeinsam mit seiner Mutter hatte er zuvor seinen Vater während zwölf Jahren begleitet, bis dieser an seiner Alzheimererkrankung starb. Eine schwierige Zeit. Aber auch eine, die für die Familie neue Chancen barg. «In der Demenz meines Vaters musste ich einfach verzeihen und die alten Geschichten ruhen lassen. In dieser Phase wurde plötzlich eine Nähe zwischen uns möglich, die wir davor nie hatten», erzählt Daniel. Das Thema Demenz liess Daniel nicht so schnell wieder los. Er engagierte sich mit grossem Einsatz für die Vernetzung und Information von Betroffenen und machte sich rasch einen Namen als «Demenzaktivist» in der deutschen Schweiz.
Dass das Leben mit einem Schlag vorbei sein kann, erfuhr Daniel schon ganz früh in seinem Leben. Daniel war keine vier Jahre alt, als sein kleiner Bruder starb. Noch heute, mit 51 Jahren, präge dieses Ereignis sein Leben, sagt er. Auch seiner eigenen Endlichkeit ist er sich bewusst und er erntet hin und wieder böse Kommentare von Freunden, wenn er davon zu sprechen beginnt. «Aber ich sage immer allen, die es hören mögen: Redet miteinander darüber. Sprecht über Praktisches und auch über Gefühle, wenn das Lebensende naht. Mein Vater hat kein einziges Mal mit uns darüber geredet. Das werfe ich ihm noch heute vor.»
Daniel Wagner hat «Demenz Zürich» gegründet und die wunderbaren «Demenz Meets» initiiert, die inzwischen im gesamten deutschen Sprachraum stattfinden. Alle Informationen dazu findet ihr hier: www.demenzmeet.ch.
Das Video von der wunderbaren Vera F. Birkenbihl, von dem Daniel im Podcast spricht, findet ihr hier (Youtube).
Buchtipp zur Folge: Martha, du nervst! von Brigitta Schröder (mit einem Beitrag von Daniel Wagner)
Workshop Schreiben über Sterben:
Es ist wenig mehr als zwei Jahre her, da der Sohn von Liliane Meier starb. Ein Autounfall kostete ihn das Leben. Ohnmacht war das erste Gefühl, das Liliane überwältigte, nachdem sie erfuhr, dass ihr zehnjähriger Lou ums Leben gekommen war. Grosse Ohnmacht und dann grosser Schmerz. Mit der Zeit wich die Ohnmacht Liebe, Demut und Dankbarkeit, die sie bis heute auch in der Trauer spürt.
Darüber spricht Liliane Meier in dieser Podcast-Folge. Die 46-jährige Mutter, Yogalehrerin und Buchautorin sagt: «Ich empfand auch im schlimmsten Moment des Abschieds eine endlose, tiefe Liebe.» Sie wollte als trauernde Mutter keine Opferrolle annehmen. In diese, so empfand sie das vom ersten Moment an, wolle man Mütter nämlich reflexartig drängen, wenn diese ein Kind verlören. «Aber das ist nicht mein Weg», sagt Liliane. Was natürlich nicht bedeutet, dass sie nicht bis heute und vermutlich noch lange immer wieder Momente tiefer Trauer erlebt. «Ich vermisse Lou sehr.»
Liliane und ihre beiden Töchter reden viel über Lou. Sie betrachten Fotos, erinnern sich, weinen und lachen zusammen. «Lou ist sehr präsent in unserem Alltag», sagt Liliane. Und gleichzeitig leben die drei ihr Leben und geniessen die Gegenwart. Das Leben mit den Kindern und der Alltag haben Liliane auch in der schwierigsten Zeit auf dem Boden gehalten.
Ihr Umgang mit den Themen Sterben und Tod war schon immer unverkrampft. «Der Tod ist Freiheit und Liebe. Er gehört zu uns», sagt Liliane. Ihr Vater starb, als sie elf Jahre alt war. Das war schwierig. Es machte sie aber auch neugierig. Ja, genau: neugierig. Sie wollte wissen, was das ist, der Tod. Und was passiert, wenn wir sterben. Seither hat sie das Thema immer begleitet.
Ein schönes Gespräch, das nicht leicht, aber sehr hoffnungsvoll ist. Danke Liliane. Mehr über Liliane Meier auf ihrer Website und auf Instagram.
ANKÜNDIGUNG: Ende Februar fällt das letzte Stündchen aus. Kurze Winterpause also hier. Für Inspirationen zwischendurch jederzeit gerne bei Instagram und Facebook vorbeischauen.
Früher als üblich, anders als bisher: Folge #12 vom letzten Stündchen ist eine Spezialfolge. Wir feiern hier nämlich Geburtstag und Weihnachten auf einmal. Wir, das sind Petar Sabovic und Elena Ibello. Geburtstag feiern wir, weil der Podcast «Das letzte Stündchen» ein Jahr alt wird. Cheers! Und Weihnachten feiern wir einfach, weil bald Weihnachten ist. Und weil wir zu diesem Anlass gerne Wünsche erfüllen. Darin ist Petar Sabovic Vollprofi:
Petar gründete die Wunschambulanz in der Schweiz aufgrund einer eigenen, schwierigen Erfahrung. Er begleitete seinen Vater bis zu dessen Tod und erlebte die letzte Lebensphase des Vaters als unschöne, sehr schwierige Zeit. Als er später realisierte, wie viel man für sterbende Menschen noch tun könnte, war das für ihn eine so grosse Inspiration, dass er gleich zur Tat schritt und sein Erbe in die Gründung der Wunschambulanz steckte. Seither engagiert er sich ehrenamtlich und gemeinsam mit vielen Freiwilligen in seinem Verein und erfüllt Sterbenden letzte Wünsche.
Petar spricht über das eigene Sterben, über letzte Wünsche, über unerledigte Dinge und nicht geführte Gespräche. Auch über Hoffnungen und schöne Dinge am Lebensende. Und darüber, wie wichtig letzte Wünsche sind, auch wenn sie noch so «klein» sein mögen.
Die Wunschambulanz wird getragen von Spenden aus der Zivilgesellschaft. Für Sterbende und ihre Angehörigen ist die Wunschambulanz ein wahnsinnig wichtiges Angebot.
Den Beitrag, den die Wunschambulanz hier leistet, können wir nicht überschätzen. Darum folgt hier zum ersten Mal im «letzten Stündchen» ein Spendenaufruf: Wer kann und mag, ermögliche letzte Wünsche!
Danke! Auch fürs Zuhören und Teilen, ob mit oder ohne Spende. <3
[Music generated by Mubert]
«Die Autonomie, die Selbstbestimmung ist zu einem Zauberwort geworden und gleichzeitig fällt sie uns wieder auf die Füsse», sagt Prof. Dr. theol. Markus Zimmermann. Der Theologe und Ethiker befasst sich seit Jahren mit dem Sterben und hat dabei viele Erkenntnisse gewonnen. Nicht zuletzt als Präsident der Leitungsgruppe des Nationalen Forschungsprogramms «Lebensende» konnte er sich ein umfassendes Bild vom Sterben in der Schweiz machen.
Weil wir Autonomie und Selbstbestimmung grossschreiben, sagt er, sind wir letztlich gezwungen, uns mit unserem eigenen Sterben zu befassen. Wir müssen uns vorbereiten. Das Problem: Das Sterben in der Schweiz findet fast ausschliesslich in Institutionen statt, wo nur mehr wenige Menschen damit in Berührung kommen.
«Es gibt eine gewisse Entfremdung der Menschen in der Schweiz zum Sterben», so Zimmermann.
Und darum müssen wir darüber reden, übers Sterben. Diese Erkenntnis ziehe sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms «Lebensende». Aber – ihr ahnt es schon – es ist kompliziert. Denn gerade das öffentliche Reden über das eigene Sterben hat auch eine Kehrseite: Etwas Intimes wird an die Öffentlichkeit gezerrt und dadurch verfremdet. Diese Kritik sei berechtigt, findet Markus Zimmermann.
Evi Ketterer spricht in dieser Folge über ihre Arbeit als spezialisierte Pflegefachfrau in der mobilen Palliative Care. Nicht nur als Fachfrau beschäftigt sie sich täglich mit der Vergänglichkeit, sondern ebenso als praktizierende Zen-Buddhistin. Sie sagt: «Meine Patientinnen und Patienten sind auch meine Lehrerinnen und Lehrer.» Ihre Aufgabe sieht sie im Pflegen von Beziehungen, ihr grösstes Ziel dabei ist die Selbstbestimmung für die Betroffenen. «Ich versuche es zu ermöglichen, dass ein Mensch sein Leben in Würde abschliessen kann», sagt die 55-Jährige.
Ein tiefgehendes Gespräch über das Sterben, die Begleitung Sterbender, über Beziehungen, über die Endlichkeit und über das Leben mitten in den ganz grossen Fragen.
Zum Gespräch dazu liefert uns Evi eine kleine Lesung. Im Bonustrack (hier im Feed) zur Folge 10 liest Evi Ketterer eine Geschichte aus ihrem Buch «Geschichten intimer Beziehungen. Sterbebetreuung einmal anders erzählt». Mehr über Evi Ketterer, ihre Arbeit und ihr Buch unter www.brunnenhofzendo.ch.
Bonustrack zur Folge 10: Evi Ketterer liest aus ihrem Buch «Geschichten intimer Beziehungen. Sterbebetreuung einmal anders erzählt».
Mehr zu Evis Buch.
Fabian Biasio ist Fotoreporter und Filmemacher. Schon immer hat er sich in seiner Tätigkeit mit dem Tod auseinandergesetzt – ob bewusst oder unbewusst, das kann er selbst nicht in jedem Fall sagen. Begonnen hat seine Arbeit rund um das Thema mit einer grossen Reportage aus dem Todestrakt eines US-amerikanischen Gefängnisses und ging weiter mit der Arbeit als Kriegsreporter. Als 2015 sein eigener Vater starb, lernte er den Tod ganz neu kennen, wie er sagt. «Ich wusste bis dahin nicht, wie es ist, wenn der Tod die eigene Familie trifft.» Seither hat er verschiedene Projekte zum Thema realisiert und dabei viel über das Sterben in der Schweiz gelernt. «Heute schätze ich das Leben als gesunder Mensch umso mehr – im Bewusstsein, dass dieser Zustand nicht für immer anhalten wird», sagt er.
Fabian erzählt in diesem Podcast, wie sein Vater auf einer Palliative-Care-Station in der Schweiz starb. Wie ihm eine Pflegefachfrau im richtigen Moment ohne Scheu und Schonung erklärte, was jetzt passieren würde. «In der letzten Nacht bevor mein Vater starb, wurde mir klar: Auch die Sorgen und Nöte der Angehörigen haben Platz auf einer Palliative-Care-Abteilung. Das ist wahnsinnig viel wert.» Im Gespräch verrät Fabian Biasio, wie es ihm gelang, von seinem Vater Abschied zu nehmen.
Seine neueste Arbeit ist der vielbeachtete Dokumentarfilm «Tiger und Büffel». Darin porträtiert Fabian den Schweizer Karatemeister Bruno Koller, der im Alter von knapp 60 Jahren die Diagnose Alzheimer-Demenz erhält. Fabian begleitet ihn und seine Familie mit der Kamera über viele Jahre, bis Bruno «Sensei» Koller stirbt. Der Film läuft aktuell in den Schweizer Kinos. Alle Informationen dazu findet ihr unter www.tigerundbueffel.ch.
Zu Fabian Biasios Arbeiten gehören weitere Dokumentarfilme und andere journalisitische und kulturelle Beiträge zum Thema ebenso wie die palliativkarte.ch, die bei der Suche nach einem geeigneten Ort für die letzten Tage und Wochen helfen soll oder ein interaktiver Bestatttungsplaner auf letztereise.ch. Wer einen Überlick über seine Arbeiten sucht: www.biasio.com.
Christian Ruch überlebte zwei Tumorerkrankungen in jungen Jahren. Seither habe er ein besonderes Zeitbewusstsein, sagt er heute. Und: «Ich trage täglich die Gewissheit mit mir, dass der Tod überall und sofort kommen kann.»
Christian – heute 53 Jahre alt – blickt auf die Themen Sterben und Tod aber nicht nur als «Krebs-Überlebender». Auch beruflich befasst er sich damit. Als Ritualgestalter, der Beerdigungen gestaltet und als Redaktor der Fachzeitschrift von «palliative ch» setzt er sich mit Palliative Care, Trauer und Abschied auseinander. Und als religiöser Zeitgenosse auch sehr gerne mit dem Jenseits.
Sein Motto: «Im Jenseits geht's erst richtig los!»
Hier, in diesem irdischen Leben, so Christian, erlebten wir bloss eine Art «Chindsgi». Was es damit auf sich hat, hört ihr in diesem Podcast-Gespräch, das selbstverständlich sehr ernst gemeint, aber nicht völlig frei von Humor und Selbstironie ist. Also, keine Angst, auch dieses letzte Stündchen überleben alle!
In dieser Folge reden wir über das, was nach dem Sterben passiert. Für die Verstorbenen, aber vor allem für die, die zurückbleiben. Diese stehen nach einem Todesfall vor vielen Fragen. Eine davon ist die Frage nach der Bestattung.
Was hat sich der oder die Verstorbene gewünscht?
Jasmine Schärer stellt diese Frage regelmässig. Sie arbeitet auf einem Bestattungsamt in einer Zürcher Gemeinde. Deswegen und aus eigener Erfahrung weiss Jasmine, wie viel Erleichterung es bringen kann, wenn Angehörige wissen, ob jemand konkrete Vorstellungen hatte und wie diese aussehen.
Bei vielen Bestattungsämtern kann man zu Lebzeiten die Wünsche für die eigene Bestattung hinterlegen.
Ein weiterer grandioser Tipp: Der Schweizer Bestattungsplaner von «Letzte Reise» hilft Hinterbliebenen, diese schwierige, aber wichtige Aufgabe zu meistern. Und zwar sehr einfach und anonym (und kostenlos!).
Das erfrischende Gespräch mit Jasmine begleitet uns in den Sommer: Das letzte Stündchen macht Pause. Die nächste Folge erscheint Ende August.
In dieser Episode wird es wieder einmal konkret: Wir reden über das Sterben mit Roland Kunz. 30 Jahre arbeitet er bereits in der Palliative Care. Neuerdings teilpensioniert, freut sich Roland Kunz, zum Abschluss seiner Karriere nicht mehr in erster Linie Leitungsaufgaben im Spital auszuführen, wo er viel Zeit in Sitzungen verbrachte, sondern wieder direkt mit den Menschen zu arbeiten. "Das ist mir heute wieder vergönnt", sagt er und strahlt.
Als einer der Palliative-Care-Pioniere der Schweiz hat Roland in seinem Berufsleben viel dazu beigetragen, dass wir heute insgesamt gut betreut sein können an unserem Lebensende. Was ihn immer noch und immer wieder beschäftigt: Wenn im Spitalalltag die juristisch-administrativen Vorgaben zu einer Medizin führen, die den einzelnen Menschen nicht mehr sieht und unvernünftige Entscheide hervorbringt. Und um Entscheide und damit um Selbstbestimmung geht es am Ende fast immer.
Roland Kunz sagt, heute geht jedem Sterben eine Entscheidung voraus. Das überfordert uns Menschen nicht selten.
Darüber hat er zusammen mit Heinz Rüegger ein Buch geschrieben. Wir unterhalten uns in dieser Episode über Entscheidungen am Lebensende, über Schmerzen und Lebensqualität und über die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zum Sterben. Kunz erzählt aus seiner Erfahrung und spricht auch über sein eigenes Sterben.
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