ERF Plus - Wort zum Tag

ERF Plus - Wort zum Tag

By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
Download on the App Store

ERF Plus - Wort zum Tag episodes

  • Ein Wimpernschlag Zeit
    Die Bibelstelle Psalm 90,4 – ausgelegt von Andrea Tschuch.

    Wir sitzen beim Frühstück und lassen uns Zeit. Der Tisch ist festlich gedeckt. Mein Mann hat Geburtstag. Einen runden. „Fühlt sich das eigentlich komisch an, dass du jetzt schon 60 bist?", frage ich ihn. „Ja, schon", meint mein Mann, „es kommt mir gar nicht so vor, als wäre ich schon 60 Jahre lang auf der Welt. Ging doch erstaunlich schnell um, die Zeit bis hierher." Das Gefühl habe ich auch. Gestern noch habe ich unseren Söhnen die Windeln gewechselt und „Tempo kleine Schnecke" mit ihnen gespielt. Heute lösen sie meine Computerprobleme. Und führen uns Eltern in die Feinheiten strategischer Brettspiele ein. So schnell kann es gehen.

    Als ich jung war, ist mir die Zeit manchmal nicht schnell genug umgegangen. Ich habe auf etwas hingefiebert. Aber die Zeit hat sich wie Kaugummi gezogen: Bis ich die Klassenarbeit zurückbekommen habe. Der letzte Schultag vor den Sommerferien geschafft war. Ich vom Teenagerkreis in den Jugendkreis wechseln durfte. Den Ausbildungsvertrag in der Tasche hatte. Und den Führerschein. Bis ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin. „Du hast doch alle Zeit der Welt", wurde mir gesagt. Aber ich konnte es kaum abwarten. Wollte endlich auf eigenen Füßen stehen.

    Jetzt bin ich Ende fünfzig und frage mich rückblickend manchmal: Wo ist die Zeit geblieben? Als flöge sie nur so dahin. Dabei hat ein Tag immer noch 24 Stunden. Wie schon in meiner Jugend. Aber es ist wohl ein Unterschied, ob ich mit 20, 50 oder 80 Jahren auf meine Lebenszeit schaue. Und was ich dabei in den Blick nehme.

    Aus Gottes Sicht stellt sich das Ganze nochmal anders dar. Wir Menschen sind vergänglich. Er aber ist ewig. War schon immer da. Und wird immer sein.

    Verglichen mit Gott sind wir Menschen ein Hauch. Unser Leben währt nicht länger als ein Wimpernschlag. Ein Wimpernschlag, dem Gott Beachtung schenkt.

    Er, der die Zeit selbst geschaffen hat, ist ihren Gesetzmäßigkeiten nicht unterworfen. Gott ist der Herr. Auch der Herr der Zeit. Und er hat einen anderen Blick darauf als wir Menschen. Mose, der von Gott eingesetzte Leiter, drückt es in Psalm 90, Vers 4 so aus: „Tausend Jahre sind in deinen Augen so kurz wie ein gerade vergangener Tag – sie sind nicht länger als ein paar Stunden in der Nacht." (NGÜ)

    „Du hast doch alle Zeit der Welt", wurde mir gesagt. Wahrscheinlich hätte ich mir für manches auch mehr Zeit lassen können. Unerschöpflich ist mein Zeitvorrat aber nicht. War er auch nie. Mein Leben in dieser Welt ist begrenzt. Gott hat wirklich alle Zeit der Welt. Dieser und der zukünftigen. Und er hat auch meine Zeit im Blick. Keine Sekunde meines Lebens gleitet ihm aus der Hand. In JesusChristus schenkt er mir ewiges Leben, das schon hier und jetzt beginnt. Wenn ich mir das vor Augen führe, kann ich gelassen leben. Ich muss der Zeit weder hinterher rennen noch mich von Wartezeiten verrückt machen lassen.

    Ich muss auch nicht alles aus dieser Welt herausholen, als ob ich keine Zukunft hätte. Wenn Gott der Herr meines Lebens ist, ist er auch der Herr meiner Zeit. Dann ist es wohl klug, dass ich ihn frage: „Herr, wie willst du meine Lebenszeit gestalten?" Im Vergleich zu ihm dauert mein Leben auf dieser Erde nur einen Wimpernschlag. Aber Gott will diesen Wimpernschlag füllen und gebrauchen. Zu seiner Ehre und zum Segen für mich und andere.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Andrea Tschuch

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Umgang mit den eigenen Möglichkeiten
    Die Bibelstelle Sprüche 31,8 – ausgelegt von Reinhard Arnold.

    Offensichtlich ist die Frau vor mir in der Schlange an der Kasse im Supermarkt keine Deutsche. Kleidung und Aussehen lassen mich auf eine Asylbewerberin schließen. Sie scheint die Worte der Kassiererin nicht zu verstehen. Und mit dem hiesigen Geld sich auch nicht auszukennen. Langsam zählt die ihre Taler vor. Es reicht nicht. Da greift der Mann in der Schlange hinter mir an mir vorbei und legt einen Fünf-Euro-Schein dazu. Irritiert schaut ihn die Kassiererin an. Die Ausländerin vor mir weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Da kommt von dem Mann der Kommentar: „Ist schon recht. Ist doch Christenpflicht, zu helfen.“

    Die Bemerkung trifft mich. Wenn es Christenpflicht ist, wäre es doch auch meine Aufgabe gewesen, hier zu handeln. Dabei hatte ich noch nicht einmal angefangen, über die Situation nachzudenken.

    Ist es Christenpflicht, zu helfen? Es gibt doch so viele Probleme auf der ganzen Welt, was kann ich als Einzelner schon dagegen tun? Die fünf Euro ändern nicht die Probleme der Migrationspolitik. 

    Mit unserem heutigen Bibelwort hat es etwas ganz Besonderes auf sich: Es stammt von der Mutter eines arabischen Königs, vielleicht vor dreitausend Jahren, die ihren Sohn berät. Nur an dieser einzigen Stelle in der Bibel, im Buch der Sprüche, hier des Königs Lemuel von Massa, werden Weisheitssprüche einer Frau überliefert.

    „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“

    Es ist also Aufgabe des Königs, für Gerechtigkeit zu sorgen, grade sich derer anzunehmen, die sonst kaum einen Fürsprecher haben: Für diejenigen, auf die sonst keiner hört. Denen sonst keiner zur Seite steht. Schon tausend Jahre, bevor Jesus sich konsequent für Ausgegrenzte, Bedürftige und Hilflose einsetzte, was sich in seiner Zuwendung zu den Sündern und Schwachen zeigte, gab eine Königinmutter ihrem Sohn diesen Rat.

    Über uns herrscht heute kein König mehr. Wir leben heute in Deutschland in einer Demokratie. Die Aufgaben des Königs haben Parlament und Regierung übernommen.

    Tun sie ihren Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind?

    Doch halt, bevor es jetzt zu den üblichen Vorwürfen kommt, dass die da oben ja doch nur machen, was sie wollen: In einer Demokratie herrscht doch das Volk. Also ist jeder einzelne von uns auch ein bisschen König. Ich muss mich also selbst fragen: Tue ich meinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind?

    Da hatte der Mann in der Schlange hinter mir ja völlig recht, als er von der Christenpflicht sprach. Mir hat es an Aufmerksamkeit gefehlt, an Mitgefühl, dass von mir gefordert ist.

    Gott selbst hat sich mir in Barmherzigkeit zugewandt. Er hat mich nicht nach meinen Taten bewertet.

    Stellvertretend für mich hat er seinen Sohn Jesus ans Kreuz gehen lassen, zur Vergebung meiner Schuld. Wie kann ich da über andere hinwegsehen?

    Ich will meinen Mund für die Stummen auftun und für die Sache aller, die verlassen sind. Ich will nicht mehr schweigen, wenn über die Interessen derer, die nicht für sich selbst eintreten können, hinweggegangen wird. Ich will meinen Beitrag leisten, wenn Hilfe nötig ist, ob finanziell oder durch die Tat. Ich will mich nicht mehr damit rausreden, dass ich als Einzelner ja doch nichts bewirken kann.

    Ja, ich weiß, dass es mir nicht immer gelingen wird. Aber ich lebe in der Gnade Gottes, der mich in seiner Barmherzigkeit hält und mir mein Bemühen damit ermöglicht.

    Ich will meinen Mund für die Stummen auftun und für die Sache aller, die verlassen sind.

    Machen Sie mit?

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Reinhard Arnold

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    6 min
  • Kontakt zu Jesus
    Die Bibelstelle Johannes 6,37 – ausgelegt von Reinhard Arnold.

    Da stehe ich nun vor einer geschlossenen Tür. Ich habe auf die Klingel gedrückt und warte. Bisher hat sich noch nichts gerührt. Ob wohl überhaupt jemand da ist? Und wenn ja, wie wird er oder sie auf mein Anliegen reagieren? Werde ich schroff abgewiesen oder willkommen geheißen und hereingebeten? Das ist so eine spannende Sache mit Hausbesuchen. Aber als Pfarrer gehören sie zu meinem Alltag.

    Die unterschiedlichsten Erfahrungen konnte ich hierbei schon sammeln. Einmal, als ich einer betagten Seniorin zum Geburtstag gratulieren wollte, schloss die Tochter die Tür gleich wieder vor mir zu mit den Worten: „Das passt heute gar nicht, meine Mutter hat Geburtstag!“

    Manchmal trösteten mich in solchen Augenblicken die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6, Vers 37: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

    Es ist beruhigend zu wissen, dass es bei Jesus keine Einschränkungen gibt. Bei ihm kann nicht eine falsche Begrüßung oder eine Ungeschicklichkeit von vornherein das Gespräch verhindern oder belasten. Jesus empfängt offen jeden, der zu ihm kommt. Er macht keine Einschränkungen, fordert keine Voraussetzungen. Wer kommt, darf zu ihm.

    Klingt ja ganz einfach. Aber wie soll das praktisch aussehen? Ich habe ja keine Adresse, die ich einfach in mein Navigationssystem eingeben kann und dann auf Starten drücke. Da ist keine Haustür, vor der ich stehen und warten kann.

    Natürlich weiß ich, was zu tun ist. Schon als kleines Kind habe ich es gelernt. Kontakt zu Jesus nehme ich auf, indem ich bete.

    Beten – eine komische Sache. Reden mit jemanden, den ich nicht sehe, nicht höre, der mir nicht mit deutlicher Stimme sofort antwortet.

    Aber ich kenne doch andere Formen der Kommunikation, die auch mit Einschränkungen verbunden sind. Früher, als wir uns noch Briefe geschrieben haben; da musste ich auf Antworten warten und wusste vorher nicht so ganz genau, wie die Reaktion wohl ausfallen wird. Heute am Telefon ist die Zeit der Ungewissheit auf ein Minimum verkürzt, bis mein Gegenüber antwortet. Aber da fehlt dann immer noch das Mienenspiel, das manchmal die Worte entscheidend ergänzt.

    Ja, Beten ist anders als ein normales Gespräch. Aber das kann ich lernen. Schließlich habe ich sogar das Sprechen gelernt, als ganz kleines Kind, nur aufgrund der Reaktionen meiner Eltern und meiner Umwelt.

    Da ist es doch gut, dass am Anfang diese Zusage steht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

    Jesus will und wird mir helfen, wenn ich den Kontakt zu ihm suche.

    Ich finde seine Antworten in dem, was ich erlebe. Ich finde seine Antworten in den Gedanken, die mir plötzlich kommen. Ich finde seine Antworten in dem, was mir aus Worten meiner Gesprächspartner plötzlich klar wird. Ich finde seine Antworten, in dem, wie mein Leben weiter verläuft und was mit mir geschieht.

    Natürlich muss ich lernen, genau hinzusehen, hinzuhören, hinzuspüren. Dabei hilft mir die Gemeinschaft meiner Mitchristinnen und Mitchristen, die auf demselben Weg sind und mit denen ich mich über meine Erfahrungen austauschen kann.

    Gemeinsam mit ihnen bin ich eingeladen, diese Erfahrung mit Jesus zu machen: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Reinhard Arnold

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Er kümmert sich
    Die Bibelstelle Lukas 12,27 – ausgelegt von Matias Wiens.

    Seit März haben wir Frühling in Deutschland. Die Temperaturen steigen wieder an und hier und dort erwachen zahlreiche Blumen. Der Bibelvers fordert auf, dass Sie sich eben diese Blumen genauer anschauen!

    „Seht euch die Blumen an:

    Sie wachsen, ohne zu arbeiten
    und ohne sich Kleider zu machen.
    Ich sage euch:
    Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit
    war so schön gekleidet wie eine von ihnen.“(Lukas 12,27 BB)

    Schnell wird klar, dass die Blumen als Bild für etwas gebraucht werden. Es geht nicht um Wetterphänomene oder Frühlingsanfang, sondern um das, was Gott für die Blumen, und für uns Menschen tut.

    In dem Abschnitt des Lukasevangeliums, in dem dieser Vers steht, geht es um Sorgen vor der Zukunft. Jesus sagt zu seinen Jüngern in den Versen davor: Macht euch keine Sorgen um euer Leben – was ihr essen sollt, oder um euren Körper – was ihr anziehen sollt.” Dann vergleicht Jesus die Fragen, die Menschen sich stellen, mit der Sorglosigkeit der Vögel. Ein Vergleich, durch den deutlich wird, die Vögel säen und ernten nicht und doch finden sie genug zu essen. Die Jünger sollen sich nicht um Essen sorgen. Nachdem das klar ist, kommt der Vers, den ich zu Beginn las: Die Blumen arbeiten nicht, und machen sich keine Kleider, und dennoch wachsen sie und sind schöner als der für seine Weisheit und seinen Reichtum bekannte König Salomo. Die Jünger sollen sich nicht um Kleidung sorgen, sondern sich vielmehr auf das konzentrieren, was Gottes Anliegen vorwärtsbringt.

    Nun haben Sie und ich wahrscheinlich wenig Sorgen, ob es heute genug zu essen geben wird, oder ob ausreichend Kleidung da ist. Dass diese Sorgen selten sind, dafür bin ich von Herzen Gott dankbar. Die Sorgen unserer Zeit konzentrieren sich wohl eher auf die passende Wohnung, die auch noch bezahlbar sein soll. Oder vielleicht hegen Sie Sorgen um die Zukunft, die durch die Krisen der Zeit düster wirken mag. Möglicherweise sind es auch die Sorgen um nahestehende Personen, die Sie umtreiben. Sorgen begleiten einen jeden Menschen mal mehr, mal weniger. Das weiß Gott.

    Deswegen sagt der heutige Bibelvers: Gott kümmert sich um die Details jeder einzelnen Blume. Ja, der Vater im Himmel hat Mühe und Eifer in das Aussehen einer Blume gesteckt. Jede Pflanze, die es gibt, jeden Strauch und jeden Baum hat Gott gemacht und hält Sie am Leben. Wieviel mehr kümmert er sich um Sie und um mich. Wieviel mehr kennt er jede Sorge, die Sie nicht loslässt und jede Angst, die Sie haben. 

    Wenn Sie gerade nicht das Gefühl haben, dass Gott sich kümmert, dann ist mein Gebet, dass Gottes Wirken sichtbar wird. Wenn Sie gerade von Sorgen gequält werden, dann bringen Sie diese im Gebet zu Jesus. Sie können einfach anfangen, Gott ihre Probleme und Sorgen zu erzählen, er hört zu.

    Egal in welcher Situation sie stecken, schauen Sie sich heute eine Blume genauer an. Achten Sie auf die Details! Gott kümmert sich sogar um die Blumen. Er kümmert sich umso mehr um Sie und will Ihnen Ihre Sorgen abnehmen. 

    So wie es in dem folgenden Gedicht beschrieben wird:

    Der Schöpfer der Welt,

    der alles in seinen Händen hält,
    der jede Blume gemacht,
    und stets über alles wacht.
    Ihm bringe ich meine Sorgen.

    Die von heute, und die von morgen

    Er kümmert sich.
    Ich kann bei ihm ruhig werden.
    Er kümmert sich.
    Gott kennt meine Sorgen auf Erden.
    Er kümmert sich.
    Gott lässt mich nicht im Stich.
    Er kümmert sich.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Matias Wiens

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Die Gnade erzieht uns
    Die Bibelstelle Titus 2,11-12 – ausgelegt von Matias Wiens.

    „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“ (Titus 2,11–12)

    Es ist erschienen, endlich ist das Paket angekommen! Wieviel mehr freue ich mich, wenn liebe Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, endlich zu Besuch kommen. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes. Das ist eine Freudenbotschaft! Die Gnade ist erschienen, in der Person Jesus Christus. Jesu Erscheinen ist heilsam für alle Menschen, es bringt Heil, rettet. Das feiere ich an Weihnachten. Denn, allen Menschen steht durch Jesu Kommen der rettende Weg zu ihm offen. Alle Menschen haben durch Gottes Gnade die Möglichkeit, gerettet zu werden.

    Im Bibelvers folgt eine Überraschung: und erzieht uns! Die Gnade ist erschienen und erzieht uns. Ist nicht das Gericht die Erziehungsmaßnahme Gottes? Wie kann die Gnade mich erziehen? Dazu ein Beispiel, das etwas hinkt.

    Das volljährige Kind will mit seinen Freunden eine Reise machen. Für alle ist klar, dass es mit dem Zug für einige Tage Richtung Nordsee geht. Da sie mit dem Deutschlandticket unterwegs sind, freut sich keiner so richtig auf die Reise von einem Regionalzug zum nächsten. Außerdem muss auf der Strecke auch noch ein Umweg gemacht werden, da ein Teilbereich gerade saniert wird. Am Tag vor der Reise sagt der Vater: „Also du kannst  gerne mit meinem Auto fahren, und deine Freunde mitnehmen, wenn du vorsichtig fährst.“ Natürlich freut sich das Kind darüber und verkündet allen Freunden die Neuigkeit. Und auf eine Sache wird das Kind ganz, ganz besonders achten: Auf eine vorsichtige Fahrweise.  Weil es so dankbar ist, dass es Vaters Auto nutzen darf, und sein Vater das noch betont hat. In diesem Fall erzieht die Gnade zur vorsichtigen Fahrweise.

    Ähnlich erzieht uns Gottes Gnade. Ohne Gottes Gnade bin ich verloren und kann es nicht schaffen, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber er beschenkt mich unverdient mit überschwänglicher Gnade, wenn ich an ihn glaube. Je mehr ich Gottes Gnade verstehe, desto mehr wächst der Wunsch in mir, Gott zu gefallen und zu gehorchen. Das ist für mich als Christ eine größere Motivation, um mein Leben zu ändern, als irgendeine Gerichtsandrohung. Genau diese Erfahrung hat auch der berühmte Prediger Charles Spurgeon gemacht. Er sagt:

    »Als ich Gott noch als Tyrannen

    betrachtete, hielt ich meine Sünde
    für eine Bagatelle; aber als ich ihn
    als Vater kennenlernte, trauerte ich
    darüber, dass ich mich überhaupt
    jemals gegen ihn aufgelehnt hatte.

    Wenn ich das Gefühl hatte, Gott

    [und sein Gesetz] seien hart, da
    fand ich es einfach zu sündigen;
    aber wenn ich vor Augen hatte, wie
    freundlich, gütig und überfließend
    barmherzig Gott ist, da schlug ich
    mir an die Brust und dachte: Wie
    konnte ich nur jemals gegen den
    rebellieren, der mich so sehr ge-
    liebt hat und mein Bestes will?‹«

    (Quelle: Charles Spurgeon (https://www.spurgeongems.org/sermon/chs2419.pdf und zitiert von Philipp Bartholomä in https://static.steps-leaders.de/magazin01.pdf. S.22)

    Bleibt noch die Frage: Wozu erzieht mich die Gnade?

    Die Gnade erzieht mich zu einem aktiven Nein zur Gottlosigkeit und den Begierden dieser Welt. Statt dem Treiben dieser Welt zu folgen, soll ich besonnen, gerecht und fromm handeln. In anderen Worten: Ich soll verantwortungsbewusst handeln – so, dass Gott geehrt wird. Und das aus Dankbarkeit gegenüber seiner Gnade.  

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Matias Wiens

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Gott richtet und trägt sein Urteil selbst
    Die Bibelstelle Psalm 76,9-10 – ausgelegt von Günther Röhm.

    Ich bin ein schreckhafter Mensch. Meine Frau und meine Kinder lachen oft, wenn ich mich in einer harmlosen Situation erschrecke, wenn ich zusammenzucke, zittere und manchmal sogar schreie. Weshalb ich so schreckhaft bin, weiß ich nicht. Allgemein lässt sich sagen: Ein Mensch erschrickt, wenn er in einer Situation, in der er sich sicher fühlt, plötzlich überrascht und vielleicht sogar überrumpelt wird.

    Der Psalmbeter Asaph ruft im Ps. 76, 9b-10: „Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten, dass er helfe allen Elenden auf Erden.“

    Asaph weiß: Seine Zeitgenossen haben sich ein sehr einseitiges Gottesbild gebastelt. Sie denken von Gott, er sagt zu allem, was sie tun und treiben, „Ja und Amen“. Sie denken von Gott, er lässt fünfe grade sein. Sie denken von Gott, er nimmt sein Wort nicht so ernst.

    Jetzt zeichnet Asaph in Psalm 76 ein anderes Gottesbild. In der Lutherbibel ist der Psalm 76 mit „Gott, der furchtbare Richter“ überschrieben. Gott ist kein Gott, der zu allem „Ja und Amen“ sagt. Gott lässt fünfe nicht einfach gerade sein. Gott lässt sein Wort nicht in Frage stellen. Gott ist ganz anders. Er passt in kein menschlich ausgedachtes Schema. Gott passt auch nicht in ein theologisches Schema. Gott lässt sich nicht instrumentalisieren. Gott lässt sich auch nicht von irgendwelchen Ideologien vereinnahmen. Gott lässt sich weder vor einen ideologischen noch vor einen theologischen Karren spannen. „Gott ist der ganz andere“, so hat es der Theologe Karl Barth ausgedrückt.

    D.h. mit anderen Worten: Wenn sich Gott offenbart, dann erschrickt der Mensch. Der Mensch erschrickt, weil Gott so ganz anders ist. Im Hebräerbrief, Kapitel 10 Vers 31 heißt es: „Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Besonders schrecklich ist es für den Menschen, der sich in seinem frommen System eingerichtet hat und Gott sich nach seinem Bild bastelt.

    „Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten…“,

    so sagt Asaph. Gott ist ein Richter. Vor seinem Richterstuhl müssen alle Menschen erscheinen und offenbar werden. Das gibt ein großes Erschrecken.

    So ähnlich hat es auch Hiob erlebt.

    Hiob hat Hab und Gut und seine Kinder verloren. In seinem Unglück hadert er verständlicherweise mit Gott. Sein bisheriges Gottesbild passt mit seinem Leid und seinem Unglück nicht zusammen. Dann macht sich Gott auf und offenbart sich Hiob. Er stellt ihm Fragen über Fragen. Hiob erschrickt: Gott ist ganz anders! Hiob wird still und findet keine Worte mehr auf die Fragen Gottes. Das Gespräch Gottes mit Hiob ist nachzulesen im Buch Hiob ab Kapitel 38. Aber in den Fragen Gottes erlebt Hiob, wie Gott in seinen Richterfragen, ihm, dem Elenden und Leidgeprüften, hilft. Zum Schluss bekennt Hiob vor Gott: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.“ (Hiob 42, 5+6)  

    Wenn Gott richtet, dann hilft ER dem Elenden auf Erden.

    Dann steht ein leidgeprüfter, elender Hiob auf.

    Dann steht ein gekreuzigter Jesus Christus von den Toten auf.

    Dann schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief, Kap. 8:

    „So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind… Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm. 8, 1 + 31-39) 

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Günther Röhm

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    7 min
  • Neu anfangen
    Die Bibelstelle Jeremia 4,3 – ausgelegt von Günther Röhm.

    Mich beeindruckt, wenn ich sehe, wie ein Landwirt seinen Acker umpflügt. Die abgeerntete harte Oberfläche, auf der schon das Unkraut sprießt, wird umgedreht. Der lockere Untergrund des Ackers kommt nach oben. Damit kommen auch die Wurzeln des Unkrauts nach oben und verdorren. So wird der Acker für eine neue Saat vorbereitet. Dabei achtet ein Landwirt auf die Fruchtfolge. Er sät nicht dieselbe Getreideart, die gerade abgeerntet wurde, sondern eine neue.

    „Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen!“, ruft der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes dem Volk Israel und seinen Verantwortlichen zu. Denn das Volk Israel steckt geistlich und politisch in einer Sackgasse. Sie haben nicht mehr auf den Gott der Väter gehört, sondern haben fremde Götter angebetet. Sie haben zweifelhafte politische und militärische Bündnisse geschlossen und haben sich mit ihrem Lebensstil den Heiden angepasst. Alle prophetischen Warnungen haben die politisch und religiös Verantwortlichen ignoriert. Ihre Herzen sind gegenüber dem Wort Gottes wie ein harter von Unkraut überwucherter Ackerboden. Die Saat des Wortes Gottes dringt nicht mehr in sie ein. Sie wird sozusagen von den Vögeln weggepickt.

    Jetzt beruft Gott den Propheten Jeremia. Er muss dem Volk noch einmal sagen: „Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen!“

    Bringt den lockeren Untergrund eures Herzens nach oben. Sorgt dafür, dass die Wurzeln des Unkrauts in eurem Herz verdorren. Sät eine neue Saat. D. h.: Versucht nicht mit denselben Methoden ein Problem zu lösen, durch die es entstanden ist.

    Ist ein Neuanfang möglich?

    Wenn Gott zu einem Neuanfang auffordert, dann ist er möglich.

    „Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen!“ ruft Jeremia im Auftrag Gottes dem Volk Israel und seinen Verantwortlichen zu. Das heißt: Wagt einen Neuanfang!

    Ähnlich der Apostel Paulus: Er ermutigt die Christen in Ephesus zu einem Neuanfang. Er zeigt ihnen, wie ein Leben aussieht, das neu gepflügt ist und bei dem nicht unter die Dornen gesät wird. Ich lese aus dem Epheserbrief, Kapitel 4, die Verse 22–32 nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“:

    „Ihr sollt euer altes Leben wie alte Kleider ablegen. Folgt nicht mehr euren Leidenschaften, die euch in die Irre führen und euch zerstören. Lasst euch in eurem Denken verändern und euch innerlich ganz neu ausrichten. Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid nun zu neuen Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. Jeder soll erkennen, dass ihr jetzt zu Gott gehört und so lebt, wie es ihm gefällt. Belügt einander also nicht länger, sondern sagt die Wahrheit. Wir sind doch als Christen die Glieder eines Leibes, der Gemeinde von Jesus. Wenn ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr einander vergeben habt. Gebt dem Teufel keine Gelegenheit, Unfrieden zu stiften. Wer bisher von Diebstahl lebte, der soll sich jetzt eine ehrliche Arbeit suchen, damit er auch noch Notleidenden helfen kann. Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. Tut nichts, was den Heiligen Geist traurig macht. Als Gott ihn euch schenkte, hat er euch sein Siegel aufgedrückt. Er ist doch euer Bürge dafür, dass der Tag der Erlösung kommt. Mit Bitterkeit, Wutausbrüchen und Zorn sollt ihr nichts mehr zu tun haben. Schreit einander nicht an, redet nicht schlecht über andere und vermeidet jede Feindseligkeit. Seid vielmehr freundlich und barmherzig und vergebt einander, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat.“ (Epheser 4, 22–32)

    Was bedeutet das für Sie „Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen“?

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Günther Röhm

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    6 min
  • Himmel und Erde – Gottes Eine Welt
    Die Bibelstelle Psalm 115,16 – ausgelegt von Ursula Eggers.

    Kennen Sie das Märchen vom Fischer und seiner Frau? – Da angelt ein armer Fischer einen Butt. Dieser Plattfisch kann reden und erklärt, dass er ein verzauberter Prinz ist und lässt sich vom Fischer wieder ins Wasser werfen. Doch als die Frau des Fischers davon erfährt, erkennt sie, dass die Dankbarkeit des Butts ihr vielleicht ein besseres Leben bescheren könnte. Sie schickt ihren Mann los, den Butt zu rufen und sich ein schöneres Haus zu wünschen. Der Fischer geht, ruft den Butt und der erfüllt den Wunsch. Sie haben nun ein schöneres Haus.

    Aber die Frau des Fischers ist schnell unzufrieden und wünscht sich mehr. Wiederholt wird ihr Mann losgeschickt, um dem Butt ihre immer größer werdenden Wünsche vorzubringen. Als sie endlich in einem Schloss wohnt, will sie zuerst König, dann Kaiser und dann noch Papst werden. Auch das reicht ihr nicht, und sie wünscht sich, Gott zu sein. Das ist zu viel! – Die Fischerleute sitzen am Ende wieder in ihrer armseligen Hütte.

    Ein vielfach gedeutetes Märchen, aber eine ganz einfache Erkenntnis erschließt sich wohl jedem sofort: Die Fischersfrau hat mit ihrer Gier den Bogen überspannt. Gott sein zu wollen ist vermessen! Diese Erkenntnis scheint auch zur heutigen Losung der Herrnhuter Brüdergemeine zu passen. Es sind Worte aus Psalm 115, Vers 16. Da bekennen betende Menschen – vielleicht in einem Gottesdienst – „Der Himmel gehört dem Herrn allein. Doch die Erde hat er den Menschen anvertraut.“

    Die Gemeinde betet Gott als den alleinigen Gott an, der Himmel und Erde erschaffen hat. Und die Worte der Losung lassen erkennen, dass die Betenden ihre Platzanweisung verstanden haben: Die Erde ist unser Lebensraum. Diesen Lebensraum hat Gott uns anvertraut. Diesen Lebensraum gilt es zu verwalten mit allen uns gegebenen Gaben und auch Begrenzungen. Doch Eigentümer ist und bleibt Gott als souveräner unverfügbarer Gott.

    Im Märchen vom Fischer und seiner Frau wird anschaulich erzählt, wie ein Mensch die eigene Macht überschätzt und damit scheitert. Nur ein Märchen? Von wieviel eigensüchtigem Machtstreben mag mein Leben oft bestimmt sein? Und dann vergesse ich leicht, dass mein Leben ein Geschenk ist – von Gott geschaffen und uns für eine bestimmte Zeit zur Verfügung gestellt. Er bleibt der Schöpfer, der beides gemacht hat, Erde und Himmel, Zeit und Ewigkeit. Für ihn gehört das zusammen. Und für beides zusammen hat er einen guten Plan, in den ich hineingehöre.

    Gott ist kein Egoist, der alles allein haben will. Seine Hoffnung ist, dass ich ihn kennenlerne als den, der das Leben auf der Erde und den Himmel gerne mit mir teilen will. Er wünscht sich eine Beziehung mit mir im Hier und Jetzt meines Lebens. Damit das möglich wird, ist er Mensch geworden in JesusChristus.

    Wer Jesus kennenlernt, wird schon im irdischen Leben ein Stück Himmel erfahren und kann darauf vertrauen, dass Gott mich auch im Himmel dabeihaben will. Lassen Sie uns mit diesem Ausblick Mut gewinnen für die Aufgaben, die heute vor uns liegen.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Ursula Eggers

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Mit Gottes Wort durch das Leben
    Die Bibelstelle 2. Timotheus 3,16 – ausgelegt von Ursula Eggers.

    Wenn ich heute in mein Bücherregal schaue, stehen dort verschiedene Ausgaben von Kinderbibeln und Bibeln für Erwachsene. In meiner Kindheit gab es diese Vielfalt noch nicht. Meiner Erinnerung nach existierte in unserem Haushalt nur eine richtige Gebrauchsbibel. Sie gehörte meinen Eltern, und wurde meistens von meinem Vater genutzt. Er brauchte sie dann, wenn er sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter auf eine Kindergottesdienststunde vorbereitete.

    Ab meinem Grundschulalter entwickelte ich mich zu einem echten Bücherwurm. Kein Buch war vor mir sicher. Doch in die dicke Bibel meiner Eltern schaute ich nicht hinein. Sie wirkte uninteressant, langweilig und schwer zu lesen. Meine Eltern hatten mich schon früh in den Kindergottesdienst geschickt. Viele Bibelgeschichten waren mir von daher bekannt. Und ich fand sie auch wichtig. Doch selbst nachlesen – kein Interesse.

    Jahre später, als ich im Jugendalter war, wurde ich angefragt, in unserem Kindergottesdienst mitzuarbeiten. Als Arbeitsmaterial schenkte man mir eine dicke, sehr umfangreiche Kinderbibel. Diese Kinderbibel begeisterte mich. Zunächst nur für mich allein las ich Geschichte für Geschichte. Viele Erzählungen waren mir neu und ich begann über die lange Geschichte Gottes mit seinen Menschen zu staunen. So hat Gott bei mir angefangen, mir das Lesen seines Wortes wertvoll und lieb zu machen.

    Bei anderen mag der Weg, das Wort Gottes kennenzulernen, ganz anders aussehen. Und dann gibt es ja auch die Zeiten, in denen mir manche Bibelworte fragwürdig erscheinen. Ich erlebe Krisen. Ich zweifle an Gott und meinen Glauben. In solchen Momenten oder Zeiten hat es mir manchmal geholfen, mich an meine ersten Schritte im Bibellesen – in einer Kinderbibel – zu erinnern. Das ermutigte mich „Dran zu bleiben, weiter Gottes Wort lesen, hinhören“ – auch wenn Gott stumm zu sein schien.

    Mit diesem Rückblick auf meine ersten Schritte im Bibellesen lese ich die Worte in dem für heute vorgesehenen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine. Es sind Worte von Paulus am Ende seines Lebens an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus.

    Sie stehen im 2. Brief an Timotheus in Kapitel 3, Vers 16: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“

    Im ersten Moment wirken diese Worte vielleicht sperrig. Zurechtweisung, Erziehung, nützliche Lehre – wer hört das gern im Zusammenhang mit Gott und Glauben. Ich erinnere mich an einige Erziehungsratgeber, die ich las, als unsere Kinder noch klein waren. Manche habe ich nie zu Ende gelesen. Ihre Konzepte frustrierten mich oder engten ein. Sie passten nicht zu unserem Familienalltag.

    So jedoch will Gottes Wort gerade nicht wirken. Gottes Wort, „alle Schrift“, wie Paulus es nennt, will ermutigen und helfen. Sein Freund Timotheus erlebte viel Streit in seiner Gemeinde. Falsche Lehren verunsicherten die Christen. Paulus legt ihnen ans Herz, nah dranzubleiben an den ihnen bekannten Schriften. Denn aus diesen Worten spricht ein Gott, der liebt und nicht verunsichert. Wer an seinem Wort dranbleibt, wird Gottes weites Herz und seine offenen Arme kennenlernen. Da hat alles Platz, was ich mitbringe an Fragen, Angst und auch Vertrauen. Das galt für die ersten Christen, wie auch für Sie und mich heute.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Ursula Eggers

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    5 min
  • Glaube im Lot
    Die Bibelstelle Judasbrief, 1,25 – ausgelegt von Albrecht Kaul.

    „Dem alleinigen Gott, unserem Heiland durch unseren Herrn JesusChristus, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.“ (Judasbrief, 1,25)

    Hoppla, das schreibt Judas? Ist der nicht durch einen grausamen Selbstmord ums Leben gekommen, nachdem er Jesus im Garten Gethsemane verraten hatte?

    Nein, der Judas war es nicht. Der Name Judas kommt in der Bibel öfters vor. Natürlich Judas Iskariot, der Verräter, aber auch Judas Makkabäus, der Befreiungskämpfer gegen die hellenistischen Seleukiden und Judas der Galiläer, auch ein Freischärler gegen Rom. Unter den Jüngern Jesu wird außer Judas Iskariot ein Judas Thaddäus benannt. Der Judas, der den Judasbrief so gegen 70 nach Christus geschrieben hat, ist ein leiblicher Bruder von Jesus, der scheinbar erst nach der Auferstehung des Erlösers zum Glauben an ihn kam.

    Das verschweigt er im Brief, aber als „Bruder des Jakobus“ (der ebenfalls ein Bruder Jesu war) outet er sich im ersten Vers. Er war also kein Apostel, aber er hat um die Reinhaltung des Glaubens in seinem Brief gekämpft. Damals war die Gemeinde Jesu noch nicht durch Verfolgung von außen bedroht, sondern durch interne Streitigkeiten um die reine Lehre. Es war schwierig, es gab noch kein Neues Testament und auch Paulus musste sich mit den theologischen Spitzfindigkeiten und moralischen Verirrungen der frühen Gemeinde auseinandersetzen.

    Judas zieht ziemlich blank und schreibt sogar von Verfluchung der Irrlehrer. Aber nach dem düsteren Blick auf die Gefährdung der Gemeinde kommt er am Schluss (Vers 25) zu einem überragenden Gottesbekenntnis. „Dem alleinigen Gott, unserem Heiland durch unseren Herrn Jesus Christus, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit, Amen“.

    Nervt es Sie nicht auch manchmal, dass in der Kirche, in den Gemeinden und freikirchlichen Gruppen so viele Nebensächlichkeiten verhandelt werden? Das sind nicht immer handfeste Irrtümer oder sektenverdächtige Irrlehren, sondern meist Diskussionen oder Aktivitäten, die nicht gerade das Evangelium vorantreiben. Der Briefschreiber Judas hat auch darunter gelitten. Nach allem, was er an den Adressaten seines Briefes zu bemängeln hatte, schließt er mit dem Blick auf den einzigartigen Gott, zu dem er sich in seiner Sorge um die jungen Christengemeinden flüchtet. Wie auf einem sicheren Felsen steht er da und zeigt als Höhepunkt seines Briefes auf den unvergleichlich erhabenen Gott.

    Wenn Ihnen die Situation Ihrer Gemeinde wieder einmal zu schaffen macht, dann blicken Sie auf den Gott, der schon immer da war, der durch Jesus uns eine völlig neue Perspektive zum Leben gegeben hat. Ein Gott, der zu unserer Rettung das Beste – seinen Sohn – am Kreuz geopfert hat. Ein Gott mit einem Herzen voller Liebe. Ja, wir haben einen Gott, der sich bei unserem Tod nicht traurig abwendet, sondern uns zur Seite steht. So einen Gott haben wir – was sind dagegen die kleinlichen Streitereien? Anbetung, Ehre und Majestät gehören ihm. Formulieren Sie als Gebet gleich ein paar Sätze der Anbetung und des Lobes, Sie werden merken, der Glaube und die Realitäten des Lebens kommen ins richtige Lot.


    Mehr zum Judasbrief

    Buchvideo: Judas

     

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Albrecht Kaul

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    6 min

About ERF Plus - Wort zum Tag

From the publisher's feed

Die tägliche, alltagstaugliche Auslegung eines Bibelverses aus der „Losung“ oder den „Lehrtexten“ der Herrnhuter Brüdergemeine.

More shows like ERF Plus - Wort zum Tag

Johannes Hartl Podcast by Dr. Johannes Hartl

Johannes Hartl Podcast

10 Listeners

SWR1 Leute by SWR

SWR1 Leute

45 Listeners

ERF Plus - Anstoß by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Anstoß

1 Listeners

Was jetzt? by DIE ZEIT

Was jetzt?

121 Listeners

Handelsblatt Morning Briefing - News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen by Friederike Hofmann, Sven Prange und die Handelsblatt Redaktion, Handelsblatt

Handelsblatt Morning Briefing - News aus Wirtschaft, Politik und Finanzen

47 Listeners

Auf den Punkt by Süddeutsche Zeitung

Auf den Punkt

59 Listeners

The Pioneer Morning Briefing - Nachrichten aus Politik und Wirtschaft by The Pioneer

The Pioneer Morning Briefing - Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

87 Listeners

eat.READ.sleep. Der Podcast, der das Lesen feiert. by NDR

eat.READ.sleep. Der Podcast, der das Lesen feiert.

26 Listeners

ERF Plus - Bibel heute by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Bibel heute

1 Listeners

Amerika, wir müssen reden! by NDR Info

Amerika, wir müssen reden!

48 Listeners

Lanz + Precht by ZDF, Markus Lanz & Richard David Precht

Lanz + Precht

308 Listeners

Das bringt der Tag – Nachrichten und Analysen by WELT

Das bringt der Tag – Nachrichten und Analysen

2 Listeners

Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen by WELT

Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen

30 Listeners

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin by NDR

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin

24 Listeners

Zwei Seiten - Der Podcast über Bücher | WDR by WDR

Zwei Seiten - Der Podcast über Bücher | WDR

20 Listeners